Der Kommentar: Transparenz ist nicht die Sache der Nationalbank. Vielmehr liebt sie den klandestinen Überraschungsangriff. Wie letztes Jahr, als sie aus heiterem Himmel den Mindestkurs aufhob und vom Hedge-Fund-Manager in New York bis zum Bundesrat in Bern so ziemlich jeden verschreckte, der sich mit Geld beschäftigt. Ihre ungestüme Politik ist sicher die richtige Taktik, um Devisenspekulanten zu überrumpeln, doch Vertrauen schafft eine solche Geldpolitik nicht.

Auf Vertrauen ist die Nationalbank mehr denn je angewiesen. Als sie am 15. Januar 2015 aus Angst um die Grösse ihrer Bilanz den Mindestkurs aufhob und Negativzinsen einführte, übertrug sie die Bürde des starken Frankens auf die Volkswirtschaft. Seither leiden Industriefirmen und der Tourismus, es leiden Detailhändler und Pensionskassen, und es leiden vor allem Tausende von Angestellten, die wegen des starken Frankens ihre Arbeitsstellen verloren haben. Die Geldpolitik ist längst nicht mehr Sache eines verschworenen Dreiergremiums, sondern der gesamten Gesellschaft.

Die Nationalbank muss mehr Transparenz schaffen. Bevor sie weiter an der Zinsschraube dreht und andere Verschärfungen verhängt, muss sie Beweise abliefern. Sie muss nachvollziehbar darlegen können, dass der Negativzins einen grösseren Nutzen bringt, als er volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Um das zu tun, muss SNB-Präsident Thomas Jordan Fakten vorlegen. Angesichts der Tragweite seiner Entscheide eine berechtigte Forderung.

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