Der Kommentar: Diese Woche huschte eine Kurzmeldung über die Agenturen, von der fast niemand Notiz nahm. Der Sanitärkonzern Geberit nahm auf dem Kapitalmarkt in mehreren Tranchen umgerechnet 900 Millionen Franken auf. Dabei zahlte das Unternehmen fast keinen Zins. Eine Tranche über 150 Millionen Franken ging für 0,05 Prozent weg.

Geberit nahm das Geld auf, um den finnischen Konkurrenten Sanitec für 1,2 Milliarden Franken zu übernehmen. Dank des Entscheides der Nationalbank erhält Geberit den Konkurrenten, der etwa gleich gross ist, praktisch zum Nulltarif. Der Clou am Geschäft ist: Mit der Rendite, die Sanitec in den nächsten Jahren abwerfen wird, lassen sich nicht nur die mikroskopischen Coupons problemlos finanzieren, sondern auch die Anleihen wieder zurückzahlen.

Immer mehr erinnert die Geldpolitik der Nationalbank an einen Kindheitstraum: Der Fusspfad ist gesäumt mit Hunderten von handgrossen Goldtalern. Man muss sie nur einstecken und davontragen. Doch im Unterschied zum Traum ist die Geldpolitik real. Das Geld liegt tatsächlich auf der Strasse. Clevere Schweizer Unternehmer nutzen das Negativzinsumfeld und kaufen mit Gratisfranken reale Unternehmen im Ausland auf.

Bei aller gerechtfertigten Kritik am historischen Entscheid der Nationalbank, bei aller Befürchtung um Stellenabbau, Rezessionsängste, Jobverlagerungen und hochschiessender Immobilienpreise ist dies eine der wenigen guten Nachrichten.

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