Der Kommentar: Da steckt die Weltwirtschaft in der schwersten Krise seit den Dreissigerjahren. Sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise kämpfen die grossen westlichen Industriestaaten nach wie vor mit den Folgen. Mit der Eurozone ist die Schweiz umgeben von einem wirtschaftlichen und politischen Erdbebengebiet. Doch ihren wichtigsten Entscheid seit Jahrzehnten begründet die SNB nicht mit der Bekämpfung dieser Krise.

Stattdessen sorgt sich die SNB bereits darum, wie die aktuelle Krise nachwirkt, wenn sie endlich vorbei sein wird. Denn nichts anderes wird es bedeuten, wenn die Inflation in den westlichen Industriestaaten zurückkehrt. Dass die Unternehmen ihre Bilanzen endlich von der grossen Schuldenlast befreit haben. Dass die Investoren ihr Geld wieder stärker in der Privatwirtschaft anlegen, statt es gratis dem Staat zu geben. Dass die Gespenster von weiteren verlorenen Jahrzehnten verscheucht sein werden.

Die Begründung der SNB erinnert an einen Planungsfehler, der im Englischen «fighting the last war» genannt wird. Damit wird auf das Versagen der französischen Generäle im Zweiten Weltkrieg angespielt. Als Antwort auf den Grabenkampf des Ersten Weltkrieges errichten sie einen gewaltigen Verteidigungswall, die Maginot-Linie. Doch sie hatten den technischen Fortschritt übersehen. Die deutschen Panzerdivisionen umfuhren die Abwehr einfach. In einer Art Weiterentwicklung dieses Fehlers richtet die SNB nun ihre Verteidigung nach dem nächsten Krieg aus, bevor der aktuelle vorbei ist.

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