Es war demütigend zu sehen, wie ein deutscher Arzt in der TV-Sendung «10 vor 10» erzählte, er bekomme viele Anrufe aus der Schweiz, und wenn er Impfstoff-Reste übrig habe, würde er diese, gnädig wie er ist, auch mal einem Eidgenossen verabreichen.

Wer ist schuld an der Verzögerung? Die Mittelland Zeitung hat es gestern aufgedeckt: Die Zulassungsbehörde Swissmedic arbeitete langsamer als die EU-Behörde. Sie brauchte 23 Tage länger. Auch das Bundesamt für Gesundheit gerät in die Kritik: Die Kantone beschweren sich, die Verteilung der Impf-Dosen sei chaotisch organisiert. Seltsam. Haben wir einen
EU-Beitritt nicht deshalb abgelehnt, weil bei uns alles schneller, unbürokratischer, besser geht als in der EU?

Wie so oft will hierzulande niemand die Verantwortung übernehmen. Swissmedic-Präsidentin Christine Beerli, eine ehemalige Berner FDP-Ständerätin, die 2003 für den Bundesrat kandidierte, will nicht mal einräumen, dass es Probleme gibt.
Das Bundesamt für Gesundheit wiederum tut so, als sei es unbeteiligt: Man wisse nicht, wo die Impf-Dosen zurzeit seien: «Sie müssen bei den Kantonen nachfragen.»

Es ist inakzeptabel, wie unsere Behörden die Situation schönreden. Da warnen sie uns in
TV-Spots seit Monaten vor der Pandemie, und jetzt, wo das Virus sich rasend ausbreitet, sind sie selber nicht bereit. Das ist peinlich im Land mit dem teuersten Gesundheitswesen der Welt. Man kann nur hoffen, dass die Grippewelle sich nicht weiter beschleunigt, bevor die Impfstoffe in den Arztpraxen angekommen sind.