Zum einen ist die Sache erst geritzt, wenn der Vergleich unterschrieben ist. Am Kleingedruckten sind schon viele Verträge gescheitert. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf – sie und nicht Calmy-Rey ist im Fall UBS federführend – mahnt zur Vorsicht: «Ob wir uns wirklich finden, werden die nächsten Tage zeigen. Wenn es bis Freitag keine Einigung gibt, dürfte es immer schwieriger werden.»

Zum anderen, und das ist der entscheidende Punkt, zahlt die Schweiz möglicherweise einen hohen Preis für die Einigung. Gratis gibts von den Amerikanern nichts. Schon im Februar erpressten die US-Behörden von der Schweizer Regierung Kontoinformationen von 255 amerikanischen UBS-Kunden, die Bank zahlte 780 Millionen Dollar Busse. Es war der erste Kniefall der Schweiz. Jetzt wollen die US-Steuerbehörden sogar die Daten von 52 000 Kunden. So viele werden es bei einem Vergleich nicht sein, aber schon einige tausend Datensätze sind ein schwerer Schlag gegen das Bankgeheimnis.

Ausgerechnet gestern, am Nationalfeiertag, wenn hierzulande keine Zeitungen erscheinen, berichtete die ausländische Presse auf den Frontseiten von einem «Nachgeben der Schweiz» und vom «Ende des Bankgeheimnisses». Ob dem juristisch so ist oder nicht, ist nicht mal entscheidend – wenn das Ausland nicht mehr ans Bankgeheimnis glaubt, besteht es faktisch nicht mehr.

Für die UBS ist es überlebenswichtig, den Fängen der US-Justiz zu entkommen (allerdings droht schon das nächste Verfahren, siehe Seite 2). Ein
Vergleich wäre für sie ein Sieg.

Für die Schweiz jedoch hat ein Vergleich einen sehr bitteren Beigeschmack. Sie muss eigenes, souveränes Recht beugen, um die Grossbank aus der Schusslinie zu nehmen. Bald werden wohl weitere Staaten auf den Geschmack kommen. Die Peitschenschwinger in der EU stehen schon bereit.