Der Kommentar: Ausgerechnet der erzkonservative Ernst Schläpfer liefert mit einem knackigen Eintrag im neumodischen Facebook die Steilvorlage für eine Strafanzeige. Auf dem Planeten Schwingen tummeln sich die Bösen halt nicht nur im Sägemehl. Das wussten schon Titanen der Weltliteratur wie Jeremias Gotthelf.

Ernst Schläpfer liefert uns eine Geschichte über Aufstieg und Untergang eines Titanen, die zur Vorlage für solche Weltliteratur taugt. Nur weil Schläpfer nie Kompromisse machte, vermochte er das Schwingen in den 1980er-Jahren sportlich zu revolutionieren. Er führte modernste Trainingsmethoden ein. Er wurde König 1980 und 1983. Als Schwingpolitiker war Ernst Schläpfer erneut erfolgreich. Er brachte es ins höchste Amt (Obmann), passte die Strukturen des Verbandes dem 21. Jahrhundert an, bekämpfte aber unerbittlich jene, die mit Werbung viel Geld machen wollten. Erst recht seinen Göttibuben Jörg Abderhalden. Aber er scheiterte letztlich: Schläpfer wurde der erste Obmann der Geschichte, der im Zorn sein Amt niederlegte.

Macht und Einfluss des Schwingpolitikers Ernst Schläpfers schienen auch nach seinem Rücktritt als Obmann ungebrochen. Bis nun der Innerschweizer Paul Vogel Schläpfer mit einer Strafanzeige zur schwingpolitischen Nullnummer gemacht hat. Im richtigen Leben mag diese Strafanzeige bloss Folklore und Unterhaltung für den Stammtisch sein. Unter Schwingern aber ist sie radioaktiv. Denn Schläpfer hat getan, was Schwinger ganz und gar nicht mögen: Er war gegenüber einem verdienten und beliebten Schwingerkameraden unanständig und respektlos.

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