Der Kommentar: Die Schweiz ist etwas wert. Als Land, als meine Heimat, als Bergwelt, als Eishockeynation … Aber nicht nur das. Auch die Marke «Schweiz» ist etwas wert. Europäische Konsumenten sind bereit, für ein Produkt 20 Prozent mehr zu bezahlen, wenn «Swiss made» draufsteht. Wenn eine Uhr eine Schweizer Uhr ist, hat sie also einen Fünftel mehr wert als die gleiche Uhr, die nicht «Swiss Made» ist. Die Marke Schweiz bürgt für Präzision, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Tradition. Gemäss Bundesrat erzielt die Schweizer Industrie mit der Marke «Schweiz» einen Mehrerlös von jährlich 5,8 Milliarden Franken. Das macht uns stolz, hat aber auch Schlaumeier angelockt.

So sind heute Uhren erhältlich, die mit «Swiss made» angeschrieben sind, aber nur zum kleinen Teil in der Schweiz hergestellt werden. Weil die Gesetze veraltet sind und viele Schlupflöcher bieten, ist das sogar legal. Und: Asiatische Firmen können im Jura Uhrenunternehmen aufkaufen, die Produktion zu grossen Teilen ins Ausland verlegen und ihre Uhren trotzdem weiterhin mit «Swiss made» anschreiben. Hier ist nicht mehr viel «Schweiz» drin, obwohl «Schweiz» draufsteht.

Die Marke Schweiz läuft Gefahr, ihren über viele Jahrzehnte sorgfältig aufgebauten guten Ruf zu verlieren. Bundesrat und Parlament wollen deshalb handeln und die «Swissness» und ihren Wert vor Missbräuchen schützen. Zu Recht! Konsumentinnen und Konsumenten auf der ganzen Welt müssen Schweizer Produkten langfristig vertrauen können. Und Unternehmen, die in der Schweiz investieren und hier Arbeitsplätze schaffen, brauchen Rechtssicherheit. Genau das bringt die Swissness-Vorlage. Der Nationalrat hat dies erkannt und ist dem Bundesrat deutlich gefolgt. Der Ständerat tut dies jetzt hoffentlich auch.

Natürlich behagt die Vorlage nicht allen. Gerade Unternehmen, welche über viele Jahre vom Preisbonus «Swiss made» profitierten, ihre Arbeitsplätze aber zunehmend in Billiglohnländer ausgelagert haben und kaum mehr in der Schweiz investieren, sehen ihre Felle davonschwimmen. Dass dabei aber aus purem Eigennutz diejenigen Schweizer Unternehmen angegriffen werden, die seit Jahrzehnten und mit Herzblut in den Werkplatz Schweiz investieren und hier Arbeitsplätze und Lehrstellen für unsere Jugend schaffen, ist inakzeptabel.

Eine starke und glaubwürdige Marke Schweiz schafft Schweizer Arbeitsplätze. Eindrücklich zeigen mir dies viele Gespräche mit kleinen und mittleren Unternehmen. Tenor: Schützt unser Engagement für wirkliche Schweizer Produkte und Schweizer Arbeitsplätze. Besonders freut mich, dass diese Unternehmer – entgegen dem Globalisierungstrend – Produktionsstätten zurück in die Schweiz holen. Ich weiss von konkreten Plänen, ganze Produktionslinien aus Osteuropa und Asien in die Schweiz zurückzuholen, sofern die Swissness-Vorlage zustande kommt und die nötige Planungssicherheit für die Marke «Schweiz» besteht. Gerade wir Solothurnerinnen und Solothurner, die hautnah den Zusammenbruch der Uhrenindustrie in den Siebzigerjahren und die plötzliche Arbeitslosigkeit von Tausenden erlebt haben, wissen, wie wichtig das ist. Davon profitieren nicht nur die über 50 000 Mitarbeitenden unserer Uhrenindustrie, sondern viele lokale Maschinenbauer, Zulieferer und Tausende KMU.

Die Uhrenindustrie erwartet keine Subventionen, keine Planwirtschaft, keine Privilegien, sondern nur den für sie lebenswichtigen, wirksamen Schutz der Marke «Schweiz». Über 90 Prozent der Branche stehen deshalb hinter der Swissness-Vorlage. Und wohlgemerkt: Wer im Ausland produzieren und die Produkte in der Schweiz verkaufen will, darf dies selbstverständlich weiterhin. Doch nur wer tatsächlich hier investiert und produziert, soll auch vom Preisbonus der Marke «Schweiz» profitieren und seine Produkte mit «Swiss made» anschreiben dürfen.

Wir sind zu Recht stolz auf das Schweizerkreuz und die Marke Schweiz. Wir freuen uns über den weltweit guten Ruf unserer Produkte. Bekennen wir jetzt Farbe für die Swissness und schützen wir sie vor Missbräuchen und Mogelpackungen. Für die Zukunft der Schweizer Industrie und der Schweizer Arbeitsplätze muss ohne Wenn und Aber gelten: Wo «Schweiz» draufsteht, muss auch «Schweiz» drin sein.

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