Franz Steinegger hat sich nicht geirrt – er war nur der Zeit voraus. Die politischen Weichenstellungen, die beispielsweise bei den Präsidentschaftswahlen in den USA und in Frankreich anstehen, verlaufen nicht mehr nach dem klassischen Schema. Der Republikaner Donald Trump tritt mit einer Mischung aus rechtspopulistischer Einwanderungspolitik (eine Mauer zu Mexiko!) und linkspopulistischer Handelspolitik (weniger Freihandel mit China!) an. Ähnlich Marine Le Pen vom Front National in Frankreich: Sie poltert gegen Flüchtlinge und Muslime, vertritt aber eine sozialistische Wirtschaftspolitik angeblich zum Wohl des französischen Arbeiters. Trump, Le Pen, aber auch Ungarns Ministerpräsident Orbán und die autoritären Regierungen Polens und der Slowakei lassen sich schwerlich auf einer Links-Rechts-Skala verorten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie rückwärts wollen: in eine Zeit ohne Globalisierung, ohne offene Grenzen und ohne kulturellen Austausch. Man markiert den starken Mann oder die starke Frau und fühlt sich Egomanen wie Putin oder Erdogan verbunden.

Der Erfolg autoritärer Rückwärts-Führer ist neben dem islamistischen Terrorismus das zweite politische Phänomen unserer Zeit – und hängt mit diesem zusammen. Das gibt, gerade aus Schweizer Sicht, Anlass zur Sorge. Als kleines Land hängt unser Wohlstand entscheidend davon ab, dass wir mit der Welt wirtschaftlich und kulturell verbunden sind. Schweizer Wirtschaftsführer fürchten einen Präsidenten Trump darum nicht ohne Grund.

Natürlich liegt es auch an der Schweiz selbst, dass sie vernetzt bleibt. Unsere Demokratie verfügt über einen gesunden Abwehrreflex gegenüber autoritären Führerfiguren à la Trump, das politische System ist austariert und das Recht, auch über Sachthemen abzustimmen, hält den Graben zwischen den Regierenden und dem Volk schmal. Das sind die besten Voraussetzungen dafür, dass sich unsere Gesellschaft nicht ebenso spaltet, wie das derzeit in den USA und anderswo geschieht.

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