Schweiz muss Wachstum besser managen

Vom schwerreichen Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne gab es diese Woche eine deftige Portion Pessimismus. Weil der Schweizer Standort an Berechenbarkeit verloren habe, will der aus Deutschland stammende Patron Teile seiner Kühne & Nagel ins Ausland verlagern. Bad News gab es auch von Konjunkturforschungsstelle der ETH: Viele Firmen sähen schlechte Zeiten auf sie zukommen. Etliche Unternehmer gaben an, ihre Investitionstätigkeit herunterzufahren. Alarm schlagen auch Wirtschaftsförderer: Sie beklagen einen Einbruch bei den Firmenansiedlungen in der Schweiz.

An allem schuld: das hauchdünne Ja des Volkes zur SVP-Masseneinwanderungsinitiative und weitere Initiative, die der Wirtschaft potenziell Schaden zufügen. Für einige der mächtigsten Wirtschaftsvertreter kommt der 9. Februar einem Totalschaden gleich. Die Stabilität des Schweizer Erfolgsmodells sehen sie auf Jahre hinaus beschädigt. Doch Jammern hat noch nie geholfen. Was müsste die Elite tun? Vielleicht als Erstes sich eingestehen, dass sie weite Teile der Gesellschaft nicht mehr erreicht. Viele Menschen fühlen sich abgehängt, an die Peripherie gedrängt. Den schnellen Wandel sehen sie nicht als Chance, sondern als Gefahr. Sie glauben, dass das Wachstum überall stattfindet, nur bei ihnen nicht. Das ist keine Einbildung: Den Beleg erhalten sie am Monatsende mit dem Lohnausweis.

Das Problem lässt sich nicht einfach durch geschicktere Kommunikation lösen. Es geht um den Kern: Die Schweiz muss lernen, das Wachstum so zu managen, damit alle etwas davon haben. So ist es beispielsweise nicht verkehrt zu fragen, ob es wirklich im Gesamtinteresse ist, Firmen zu Dumpingkonditionen in die Schweiz zu locken.

Will die Schweiz weiterhin erfolgreich bleiben, braucht es eine bessere Verständigung zwischen der Wirtschaft und der Restgesellschaft. Topmanager aber, die keine Landessprache beherrschen, können diese Aufgabe nicht erfüllen. Helfen würde, wenn die Chefetagen wieder vermehrt mit Menschen bevölkert werden, die Land und Leute kennen. Und mit Frauen: Um den Ressourcenpool zu vergrössern, müssen dringend mehr Frauen für Spitzenkarrieren motiviert werden.

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