Der Kommentar: Ist eine Weltausstellung noch zeitgemäss? Stararchitekt Jacques Herzog hat eine radikale Antwort. An der Expo würden die Länder nur Geld verschwenden, findet er. Sie würden versuchen, sich durch das Design ihrer Pavillons zu unterscheiden. Paradoxerweise würden sie aber gerade dadurch ununterscheidbar. Es gehe nur um Äusserlichkeiten, nicht um Inhalte. Herzog wollte dies mit einem Masterplan ändern, der einen einheitlichen Auftritt aller Nationen vorsah. Diese wären dann nur noch für die Inhalte zuständig gewesen. Der Masterplan wurde abgelehnt. Zum Auftakt der Expo äusserte Herzog seinen Frust im «Magazin».

Ein Besuch in Mailand zeigt, dass Herzog mit der Analyse des Problems richtig liegt, aber eine falsche Lösung vorschlägt. Tatsächlich wirkt der Wettbewerb um die spektakulärste Architektur bald ermüdend. Die Effekthascherei führt dazu, dass der Effekt verloren geht. Doch Herzog hätte wissen müssen, dass es eine Utopie ist, alle Länder in ein architektonisches Konzept zwängen zu wollen. Dafür sind sie zu unterschiedlich.

Wie man das Problem lösen kann, macht die Schweiz vor: Sie entzieht sich dem Wettbewerb um das spektakulärste Design, indem sie den langweiligsten Pavillon aufstellt. Vier graue Silos. Wie kein anderes Land setzt der Schweizer Auftritt den Inhalt ins Zentrum. In den Silos lagern Lebensmittel, von denen die Besucher hamstern können, bis die Vorräte ausgehen. Mehr gibt es nicht zu sehen. Es ist der einzige Pavillon, der Bescheidenheit zelebriert. Wenn sich andere Länder davon für ihre künftigen Auftritte inspirieren lassen, bleibt die
Expo zeitgemäss.

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