Der Kommentar: Die Schweizerische Bankiervereinigung war noch nie ein Hort, wo revolutionäre Ideen ausgebrütet wurden. Das zeigt eine in kostspieliger Kleinarbeit entwickelte Strategie, entlang derer die Schweizer Banker in die Zukunft schreiten und die unrühmliche Schwarzgeld-Vergangenheit hinter sich lassen wollen.

Dabei kamen sie zum Schluss, dass sie weiterhin nichts von einem automatischen Informationsaustausch wissen wollen, wie ihn die EU für ihre Mitgliedstaaten will. Das ursprünglich vom Verband entwickelte Konzept der Abgeltungssteuer will dieser trotz Pleite in Deutschland den EU-Staaten für die Regularisierung der Altlasten anbieten.

Ist das Arroganz, Zwängerei oder gar Ausdruck einer gewissen Konsequenz? Fakt ist, die meisten Schweizer Banken haben erkannt, dass die neue Welt nicht mehr die alte ist. Sie haben begonnen, ihre Kundendossiers nach Steuerflüchtlingen abzuscannen. Spätestens seit der Auslieferung von Kundendaten nach Amerika wissen sie, dass das Bankgeheimnis ihre Kunden genauso schützt wie ihre Reputation.

Nein, die Schweizer Banken müssen sich nicht nach der EU richten. Sie müssen darauf schauen, wie sich ihre Konkurrenten in London, New York und Singapur in Steuerfragen bewegen. Und solange diese Staaten ihre eigenen Oasen bewässern, muss die Schweiz nichts tun. Sie hat im Vergleich zu diesen Staaten bereits viel zu viel gemacht. Damit macht sie sich nicht zum Darling der Europäischen (Schulden-)Union. Aber damit kann sie leben.

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