Der Kommentar: Irgendwie bezeichnend, dass sich auf unserer Redaktion mit vielen selbstbewussten Frauen keine einzige Kollegin fand, die sich des verbalen Kriegszustands zwischen Charlotte Roche und Alice Schwarzer annehmen wollte. «Das interessiert doch nur euch Männer, weil es um Sex geht», so der Tenor. Ach ja? Ich habe 20 Seiten «Feuchtgebiete» gelesen und gelangweilt auf die Seite gelegt. Roche provoziert nicht, sondern schreibt Text-Porno. Wenn ihr Verlag das Nachfolgewerk «Schossgebete» jetzt als «das letzte Tabu unserer Gesellschaft» anpreist, muss ich an Murdochs vom Markt genommene «News of the World» denken – die hatten dieselben Billig-Schlagzeilen.

Als Feministin will sich Roche verstanden haben. Das macht Ur-Feministin Alice Schwarzer sauer. Eine «verruchte Heimatschnulze» sei das neue Buch, giftelt sie. Roche lässt sich nicht lumpen und schiesst zurück: «Ich finde, es ist Zeit für neue, jüngere Feministinnen, aber die werden immer weggebissen von unserer Spitze.» Es ist klar, wen sie meint. Zwischen Roche und Schwarzer fliegen die Fetzen so gezielt, dass es nach einer Inszenierung aussieht. Beide profitieren davon: Roche verkauft ein paar Bücher mehr und Schwarzer versucht, nach ihrem Irrlauf im Kachelmann-Prozess wieder an feministischer Lufthoheit zu gewinnen.

Roche muss nicht lesen, wer nicht mag. Und Schwarzer nicht zuhören, wer nicht will – bei allen Verdiensten, die sie hat. Doch was da gerade zwischen den beiden Bestseller-Autorinnen abläuft, nennen wir Männer unter uns einen Zickenkrieg. Oder um es in Worten zu sagen, die auch von Roche oder Schwarzer stammen könnten: Mir gehen beide gerade ziemlich auf den Sack.

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