Antwort von Oswald Grübel: Nein, im Gegenteil. Wir sollten eine klare Meinung dazu haben, diese künftig auch vertreten und bereit sein, sie zu verteidigen. Das bedingt, dass alle Möglichkeiten geprüft werden und ein klarer, politisch umsetzbarer Plan erarbeitet wird.

Wir, die Banken und die Politik, sind in den jetzigen Zustand geschlittert, weil genau dieser Plan fehlte. Die Banken glaubten, das Bankgeheimnis sei unumstösslich und die Politik werde es für immer verteidigen. Wir haben den internationalen Druck nach immer mehr Transparenz nicht rechtzeitig erkannt und auch nicht, dass dieser mithilfe der Technologie unsere Banken zwingen kann, es zu brechen.

Erst glaubten wir, es gehe nur um die beiden Grossbanken, da sie international tätig und daher erpressbar seien. Nun sind wir eines Besseren belehrt worden. Die anklagenden Staaten, allen voran die USA, können bei jeder Bank die Währungskonten sperren oder beschlagnahmen. Deshalb ist die Finanzministerin gezwungen, einen Weg aus dieser verfahrenen Lage zu finden. Das wird nicht leicht sein, denn er muss innen- wie aussenpolitisch vertretbar sein.

Innenpolitisch braucht es dafür eine klare Mehrheit im Parlament, damit wir aussenpolitisch unser Konzept klar und einig vertreten können. Wir können nicht umhin, mit der EU zu verhandeln und einen Kompromiss zu finden. Das muss nicht unbedingt der automatische Informationsaustausch sein, wie er heute verstanden wird. Wir sollten uns Verbündete in der EU suchen, die die gleichen Anliegen haben, und gemeinsam eine Lösung finden. Wir rühmen uns als das Land der Kompromisse. Zeigen wir, dass wir den Namen auch verdienen.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!