Der Kommentar: Doris Leuthard spricht sich für eine starke Schweizer Luftfahrt aus. Sie will mehr Einfluss nehmen, ohne gleichzeitig die Autorität der Kantone zu düpieren. Ein schwieriger Spagat. Doch Leuthard versucht es trotzdem. Zu Recht. Sie scheut sich auch nicht davor, in den Nahkampf zu gehen, dort wo die Flughafendebatte am emotionalsten geführt wird: beim Lärm. Sie will die Protestgruppen nach Bern einladen und sie von ihrer Haltung überzeugen.

Dies ist nötig, sollen sich die Interessengruppen nicht weiterhin gegenseitig neutralisieren und die Entwicklung am Flughafen Zürich lähmen. Schon heute stösst die Infrastruktur in Spitzenzeiten an ihre Grenzen. Die Kantonsregierung in ihrer Zwitterrolle als Volksvertreterin und Flughafen-Mitinhaberin kann diese Aufgabe nicht wahrnehmen.

Der Bundesrat hat genügend Argumente in der Hand. Die Airlines investieren stetig in neue Technologien, sodass der Lärm an den Flughäfen laut Leuthard seit 1987 um zwei Drittel zurückgegangen ist. Mit den neuen Boeing-777- und C-Series-Maschinen der Swiss wird der Lärmpegel in den kommenden Jahren weiter sinken. Und ein Pistenausbau würde die Sicherheit am Flughafen erhöhen.

Die Schweizer Aviatik-Industrie braucht die Rückendeckung aus Bern, um sich gegen die Low-Cost- und Golf-Airlines zu behaupten. Und die Schweizer Wirtschaft braucht eine starke Aviatik. Denn was oft vergessen geht: 43 Prozent oder 90 Milliarden Franken der wertmässigen Exporte verlaufen über die Luftfracht. Ein Wert, der mit weiteren Freihandelsabkommen, wie zuletzt mit China, ansteigen wird – wenn es die Flughafenpolitik denn zulässt.

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