Antwort von Oswald Grübel: Wenn man heute die Nachrichten liest oder hört, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Vergeht doch kaum ein Tag, an dem nicht eine globale Bank von ihren Regulatoren zu einer Strafe in mittlerweile meist Milliardenhöhe verurteilt wird. Selbst Institute, die noch vor einem Jahr von verklärten Journalisten als «beste Banken» beschrieben wurden, müssen heute Milliarden bezahlen für Vergehen in den letzten zehn Jahren.

Man könnte schon vermuten, dies sei der neue Geheimplan zur Sanierung der Staatsschulden. Die Banken müssen jetzt büssen für das ungeheure Wachstum während der Globalisierung seit 1995. In Zeiten starken Wachstums werden Fehler gemacht, die aber als solche erst wahrgenommen werden, wenn es kein Wachstum mehr gibt. Eines steht fest: Die Banken werden sich neu organisieren, um zukünftig um solche Strafzahlungen herumzukommen. Im Klartext: Sie werden kleiner, viel kleiner. Diese Schrumpfung wird von der Mehrheit bejubelt, da man ja überzeugt ist, dass Banken schlecht sind und unsere heutige Politik das auch bekräftigt. Amerika und Grossbritannien sind in Verhandlungen, ob sie in Zukunft Auslandbanken weiterhin das Zweigstellenprinzip zugestehen wollen, oder ob diese Banken voll kapitalisiert werden müssen.

Man braucht kein Genie zu sein, um zu erahnen, worauf dies hinausläuft, nämlich die volle Kapitalisierung. Ein weiterer Schritt hin zur Deglobalisierung und zurück zum vertrauten heimischen Nationalismus. Wir tun dies alles unter dem Deckmantel der Schaffung eines sicheren Bankensystems. Nur fühlt sich auf globaler Basis niemand dafür verantwortlich. Für die Schrumpfköpfe: Es gibt kein Wirtschaftswachstum mit schrumpfenden Banken.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!