Weder Karl-May-Freund Peer Steinbrück mit seinem Wahlkampf noch der französische Präsident Nicolas Sarkozy mit seinen innenpolitischen Problemen denkt daran, die Schweiz mit ihrem Bankgeheimnis vom Haken zu lassen. Die Zusage der Schweiz, sich OECD-Regelungen zu unterwerfen, soll ungehend auch umgesetzt werden. Ohne langes Federlesen und unter Umgehung diplomatischer Gepflogenheiten.

Durch gezielte Indiskretionen liess man in Paris und Berlin die Schweizer Banker wissen, dass sie in den Landen der Europäischen Union nicht mehr willkommen seien. Dass man sich nicht scheuen werde, ihrer habhaft zu werden und sie entsprechend als «potenzielle Straftäter heranzuziehen».

Die Schweizer Banken haben ihren Leuten umgehend und bis auf weiteres verboten, in diese Länder zu reisen. Dem Vernehmen nach soll es sich gleich um mehrere Dutzend Banker handeln, die vor allem im Private Banking tätig sind. Sie mussten schriftlich bestätigen, dass sie ohne schriftliches Einverständnis ihrer Bank keine Auslandreise tätigen, weder on business noch privat . . . Da mögliche Haft- und Vorführungsbefehle in allen EU-Ländern vollstreckbar sind, sind die Banker im goldenen Schweizer Käfig gefangen.

Schon jammert mir der Erste ins Ohr: «Was wird mit meiner Eigentumswohnung an der Côte d’Azur?» Ein GD sorgt sich um seine Villa in Cap d’Antibes, und der CEO wird seinen Sitz mit Golfplatz in Spanien wohl für einige Zeit nicht mehr sehen können. Das wäre ja noch
zu verkraften. Abgesehen davon, dass es in Basel und Genf Dutzende von Bankern gibt, die ihren Wohnsitz in Frankreich haben.

Weit schlimmer sind die Folgen. Wenn der Kunde im Ausland erfährt, dass der Banker ihn nicht mehr besuchen kann, macht er sich Sorgen um sein Geld. «Nichts rennt schneller in der Welt als Fluchtgeld» ist eine alte Börsenweisheit. Es wird zu einer neuen Abstimmung mit den Füssen kommen. Schon jetzt pfeifen es die Spatzen an der Bahnhofstrasse von den Bankfassaden: «Es findet wieder ein Nettoabfluss von Kundengeldern statt.» Schon wieder?