Es geht nicht um einen Streit unter Statistikern, sondern um Wesentliches: Wie viele Menschen in einem Land arbeitslos sind, beeinflusst politische Entscheidungen. Die Lage rosig darzustellen, daran haben viele ein Interesse – nur die Arbeitslosen nicht, und die haben keine Lobby. Die Gewerkschaften wollen für diejenigen, die einen Job haben, höhere Löhne herausholen. Die Regierung wiederum steht besser da, wenn die Arbeitslosenquote tief erscheint, und es macht das Verwalten bequemer.

So hat der Bundesrat mit Verweis auf die tiefe Arbeitslosigkeit jahrelang jedes Problem mit der Zuwanderung negiert. Ist doch alles gut! Heute zeigt sich, dass die Arbeitslosenquote unter Ausländern bei 8 Prozent liegt. Die hellrosa gezeichnete Lage am Arbeitsmarkt vereinfacht es dem Bundesrat auch, den Unternehmen und Arbeitnehmern neue Belastungen aufzubürden – was nach ökonomischer Logik Stellen kostet. Höhere Lohnabzüge und Mehrwertsteuern für die AHV? Kein Problem. Eine Lohnpolizei gegen angebliche Diskriminierungen, die den Unternehmen höhere administrative Kosten aufhalst? Kein Problem. Höhere Strompreise wegen der Energiewende? Kein Problem. Können wir uns alles leisten.

Zum Glück geht es der Schweiz punkto Beschäftigung tatsächlich besser als vielen anderen Ländern. Aber nicht so gut, wie man uns weismachen will. Und während etwa in Deutschland die Arbeitslosenzahlen gesunken sind, steigen sie bei uns. Unsere Politiker sollten die rosa Brille ablegen und sich daran erinnern, was ihre wichtigste Aufgabe ist: die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen zu begünstigen.

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