Der Kommentar: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt die Retterin der Flüchtlinge und überlässt das harte Durchgreifen anderen. Mit der Grenzschliessung in Österreich, Slowenien, Serbien und Mazedonien ist die Balkanroute seit über einer Woche zu. Die Kinder aus Syrien stehen seither beim griechischen Grenzübergang in Idomeni im Schlamm, und nur noch wenige Flüchtlinge kommen über Umwege nach Deutschland.

Auch beim Deal zwischen der EU und der Türkei muss sich Merkel die Hände nicht schmutzig machen. Die dreckigen Aufgaben übernimmt die Türkei. Alle Flüchtlinge, die ab heute in Griechenland ankommen, sollen zurück in das Land geschafft werden, wo dessen Präsident Erdogan einen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung führt, wo oppositionelle Zeitungen vom Staat übernommen werden, wo täglich systematisch Menschenrechte verletzt werden. Dass eine Umverteilung von Flüchtlingen von der Türkei auf die EU-Staaten funktionieren soll, ist illusorisch. Schon letztes Jahr hatte die EU entschieden, 160 000 Asylsuchende aus Italien und Griechenland in andere europäische Länder zu verteilen. Gerade einmal 900 Flüchtlinge wurden bisher tatsächlich vermittelt.

Der grösste Gewinner des Deals zwischen der EU und der Türkei ist der Autokrat Erdogan, der mit seiner Politik gegen internationales und europäisches Recht verstösst und die Genfer Flüchtlingskonventionen verletzt. Dafür wird er jetzt mit EU-Beitrittsverhandlungen belohnt.

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