Der Kommentar: Unbestritten ist, dass die Herstellung von Zeitungen im Publizistischen, im Technischen und im Vertrieblichen eine teure Angelegenheit ist. Zuerst haben wir mit ansehnlichem Erfolg die technischen Aufwände gesenkt, dann sind wir mit schlechtem Gewissen daran gegangen, die publizistische Breite zu kürzen. An den Vertrieb haben wir wenig Gedanken verschwendet. Wir wissen einfach, jedes Jahr werden die Lesermärkte weniger und die Vertriebskosten teurer, und dabei bleibt es.

Im Elektronischen und im Digitalen läuft die Geschichte völlig anders. Wir nehmen als Beispiel die Radiolandschaft. Mit grossem Aufwand und mit klaren Vorstellungen gehen der Bund und die Privaten daran, dem teuren und regional eingeengten UKW den Garaus zu machen und durch das billigere und weite Gebiete abdeckende DAB-Plus abzulösen. Zwar wird auch dies eine Übung, die ähnlich brutal ist wie der Übergang von der Mittelwelle zu UKW, doch scheint an dieser Umstellung kein Weg vorbeizuführen.

Betrachten wir den Vertrieb im Zeitungsbereich, so ist Gemächlichkeit angesagt. Immer noch gehen frühmorgens Tausende von Verträgern auf die Strasse, um die Zeitungen bis 6.30 Uhr in die Briefkästen zu werfen. Wenig später kommen dann die Briefträger und versorgen jede Haushaltung mit nicht so eiligem Gut. Bei weniger Lesermarkt, aber auch bei weniger Briefpost wäre doch die Frage zu stellen, ob der Übergang vom Zweitourenkonzept auf das Eintourenkonzept nicht wesentliche Einsparungen nach sich ziehen könnte.

Warum versucht man dieses Projekt, das für die Zeitungen von ausserordentlicher Wichtigkeit ist, nicht aufzunehmen? Es ist kein technisches Projekt wie der Übergang von UKW zu DAB-Plus, sondern es ist ein arbeitsrechtliches Problem, wo Behörden, Gewerkschaften und die Kunden betroffen sind.

So lässt man das und nimmt eher in Kauf, dass jährlich die Vertriebskosten für die Zeitungen um 15 Mio. Franken zunehmen. Geld, das man brauchen könnte, um im Publizistischen und im Redaktionellen bessere Angebote zu machen. So weit die Sicht eines Verlegerpräsidenten, dessen vornehme Aufgabe es ist, Rahmenbedingungen für die Medien, aber vor allem für die Zeitungen, zu verbessern.

Doch Medien sind Eigenbrötler: Es ist noch nicht lange her, dass die Uhrenindustrie am Boden lag und die Frage sich stellte, ob das Land der Uhren aus dem internationalen Konkurrenzumfeld ausscheiden müsste. Ich will jetzt nicht die Hayek-Story erzählen, aber die Uhrenindustrie hat sich zusammengerauft, ist zu einer der bedeutendsten Branchen unseres Landes geworden. Sie produziert nicht nur unterschiedliche Produkte, sondern ist als Branche mit ihrer Art in Basel und wo auch immer eine geeinte nach aussen hin leuchtende Kraft.

Die Medien sind, ob im Innenverhältnis zwischen Verlag, Verlegern und Redaktionen und im Aussenverhältnis zwischen den Gattungen und den einzelnen Titeln und Medien, ein zerstrittener Haufen. Am besten hat das der im letzten Jahr präsidierende Bundespräsident Ueli Maurer gemerkt. Er wusste, dass er nicht zur geeinten Branche sprach, sondern nur zu einem kleinen Teil von Medienschaffenden.

Die Chefredaktoren hatten den Verlegerkongress genutzt, um ein Reislein in die Medienstadt Hamburg zu machen. Als Zuschauer waren Anzeigenverkäufer und Abonnementwerber aufgeboten, und es kam, wie es kommen musste: Das Ganze endete in einem Buhruf-Debakel. Die Leute, die der Branche den Strahlenkranz geben, nämlich die Chefs der Redaktionen, waren nicht da, wohl weil sie der Meinung sind, der Zusammenhalt und der gemeinsame Auftritt der Branche, trotz grosser Konkurrenz, sei überflüssig.

Mehr Zusammenhalt und mehr Gemeinsamkeit ist nötig. Denn solange die Medien, bei aller Unterschiedlichkeit, die ihren Charme ausmacht, sich nicht als gesamtwirtschaftliches Gesamtsubjekt begreifen und nur Einzelgänge fabrizieren, werden sie wohl nie aus der jetzigen schwierigen Situation herauskommen. Für die gegenseitige Achtung der Mediengattungen, der Privaten und der Öffentlich-Rechtlichen, ist der gemeinsame Auftritt nicht ein Allerheilmittel, aber es würde, wie bei der Uhrenindustrie geschehen, zur Verbesserung in Qualität und zu guter Vielfalt beitragen.

Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Verbandes Schweizer Medien, eine Präsidentin führt Media Suisse, vielleicht ist das eine Hoffnung, dass mehr Weibliches das männlich Kriegerische in unserer Branche relativiert oder gar vertreibt.

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