Schlussverkauf

Wenn wir in letzter Zeit die Wirtschaftsseiten unserer Zeitungen ansehen, werden wir mit Schlagzeilen über Milliardenstrafen oder Strafforderungen an unsere Banken überhäuft. Was ist mit unseren Banken passiert, auf die wir einmal so stolz waren, weil sie zu den grössten und unserer Meinung nach auch besten der Welt gehörten? Obwohl einige Regierungsvertreter darüber reden, das Bankgeheimnis aufzugeben, wird noch eisern daran festgehalten, und man nimmt Milliardenstrafen für unsere Banken in Kauf. Die Medien kritisieren heute, dass die Banken die 70-jährige Praxis, nämlich unversteuerte Gelder anzunehmen, nicht sofort in eine «Weissgeldstrategie» umgesetzt haben. Dank ihrer Macht und ihres Verhandlungsgeschicks und mangels resoluter Gegenwehr unserer Regierung haben die USA diese Situation voll ausgenutzt und gleich ein Mehrfaches dessen kassiert, was sie durch normale Besteuerung der in der Schweiz liegenden Vermögen von US-Bürgern je erhalten hätten.

Wir haben Präzedenzfälle geschaffen für alle anderen Staaten, sich bei uns zu bedienen. Tun wir das, abgesehen von den wirklich rechtlichen Vergehen in anderen Ländern, weil wir auf einmal ein schlechtes Gewissen haben, oder weil wir der Meinung sind, unsere Banken verdienten diese Behandlung durch das Ausland? Schliesslich ist es ein Unterschied, ob Milliarden an Strafzahlungen in die eigene Staatskasse fliessen oder ins Ausland. Es hilft nicht, wenn Regulatoren und Regierung diese «Lösung» auch noch begrüssen.

Das noch existierende Bankgeheimnis, das der Schweiz zu Wohlstand und Ansehen verholfen hat, ist uns nun zum Verhängnis geworden. Wie sagt man so schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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