«Der Sonntag» hat als eines von wenigen Medien weltweit Zugriff auf diese Daten erhalten. Unsere Redaktoren fanden in diesem Datenmoloch erstaunlich schnell erste Hinweise auf heikle E-Mails zwischen dem Schweizer Liftkonzern Schindler und seinen syrischen Geschäftspartnern.

Der E-Mail-Verkehr zeigt, dass die Kommunikationskanäle auch dann noch heiss liefen, als im Bürgerkriegsstaat bereits gemordet wurde und Machthaber Baschar al-Assad und sein Umfeld auf internationale Sanktionslisten gesetzt wurden. Besonders pikant ist, dass Schindler sich auch um einen Deal mit dem grössten Militärspital des Landes bemühte.

Die Korrespondenz entblösst das Geschäftsgebaren des Liftherstellers aus Ebikon. Mit den Recherchen konfrontiert, gab das Unternehmen bekannt, sich bis März 2013 vollständig aus dem Bürgerkriegsstaat zurückzuziehen. Zwar gibt es keine Anzeichen, dass der Milliardenkonzern gegen geltende internationale Embargobestimmungen verstossen hat. Es ist auch davon auszugehen, dass sich das Unternehmen stets im rechtlichen Rahmen bewegte.

Doch als börsenkotiertes Unternehmen reicht das heute kaum noch. Rückblickend muss sich Schindler vorwerfen lassen, nicht genügend schnell auf die Gewalteskalation reagiert und damit einen grösseren Reputationsschaden in Kauf genommen zu haben. Warum hat der Liftkonzern nicht gleich sämtliche Geschäftskanäle in den Bürgerkriegsstaat abgebrochen?

Im Zeitalter von Wikileaks ist das unverständlich. Sich lediglich im Rechtsrahmen zu bewegen, bietet heute keinen ausreichenden Schutz mehr. Moralische Fragen rücken bei Unternehmen immer stärker in den Vordergrund. Gerade börsenkotierte Firmen wie Schindler können sich nicht darum foutieren. Sonst werden sie zu Opfern.

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