Der Kommentar: Der Staat sei für einen grossen Teil der Zuwanderung verantwortlich, behaupteten diese Woche Economiesuisse, Swissmem, Scienceindustries und der Schweizerische Arbeitgeberverband. Seit Mitte der Neunzigerjahre sei die Zahl staatlicher und staatsnaher Stellen um 40 Prozent gewachsen, während die Erwerbstätigkeit insgesamt nur um 17 Prozent zugenommen hat.

Nun fordern die Arbeitgeber ein «Nullwachstum» beim Staat, beteuern aber sogleich, dass sie keinesfalls bei Bildung und Spitälern sparen wollten, sondern vor allem bei der öffentlichen Verwaltung.

Mit dieser Aussage entpuppt sich die an sich berechtigte Forderung der Arbeitgeber, dass der Staat nicht ungebremst wachsen darf, als Schaumschlägerei. Denn ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Zunahme der Stellen in der Verwaltung zwar überdurchschnittlich ist, aber bloss 9 Prozent des gesamten Schweizer Stellenwachstums ausmacht. Damit kann sie keinesfalls für einen grossen Teil der Zuwanderung verantwortlich gemacht werden – zumal es keine Zahlen gibt, wie viele Arbeitnehmer aus dem Ausland der Staat beschäftigt.

Wären die Arbeitgeber ehrlich, müssten sie dort einen Stellenstopp fordern, wo das grosse Wachstum beim Staat herrührt: der Bildung, den Heimen, dem Gesundheits- und dem Sozialwesen. Es macht 48 Prozent des gesamten Schweizer Stellenwachstums aus. Doch vor der heiklen Forderung, im Bildungs- und Sozialbereich zu sparen, scheuen sich die Arbeitgeber, weil garantiert Kritik auf sie niederprasseln würde. Dann doch lieber Prügel gegen die ungeliebte öffentliche Verwaltung.

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