Der Kommentar: Wenn ein Abschied naht, schlägt die Stunde der Heuchler: «Wir werden erst erkennen, was uns Thomas Gottschalk schenkte, wenn er heute Abend von der Wettbühne abtritt.» («Blick»), «Wetten, dass es nie wieder so schön wird?» («Bild»), «Thomas, deine Outfits werden uns fehlen» («Die Welt»). Ach was. Die Wahrheit ist: Die Sendung hat sich totgelaufen. Und mit ihr der Moderator. Gottschalk tritt ab – und das ist gut so.

Wie selbstgefällig der TV-Monarch geworden ist, zeigte er im Interview mit seinem Hoforgan «Spiegel». Auf fünf (!) Seiten durfte sich Gottschalk über sein Verständnis des Evangeliums, die Ministrantenzeit und Frauen als Priesterinnen («bringen die Kirche nicht weiter») auslassen. Was wohl als intellektuelles Vermächtnis auf seinem Weg vom ZDF zur ARD gedacht war, geriet zur peinlichen Selbstbeweihräucherung.

Es war nach 23 Uhr, als Gottschalk gestern Abend seinen Platz im TV-Mausoleum einnahm. Leider wurde der Zeitpunkt verpasst, gleich die ganze Sendung zu entsorgen. «Wetten dass ..?» war nicht erst seit dem tragischen Unfall von Samuel Koch ein Auslaufmodell: niveaulose Wetten, PR-plappernde Promis und ein Gastgeber, der sich bei Frauen nur schwer zurückhalten konnte.

Kein Wunder hagelte es reihum Absagen, in Gottschalks spitze Stiefel steigen. Das Format ist am Ende. Das Schweizer Fernsehen hat dies erkannt und «Wetten dass ..?» vorläufig nicht mehr programmiert. Diesem Entscheid gebührt ein Lob – die Zuschauer haben künftig etwas Besseres verdient. Das SF kam zwar günstig zu einer Samstagabendkiste, hat jetzt aber die Chance, sich neu aufzustellen – mit einer eigenen Show.

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