Der Kommentar: Der «Sonntag» hat SBB-Chef Andreas Meyer wiederholt scharf kritisiert. Wir publizierten seinen geheimen Rekordbonus; weitere Enthüllungen versuchte Meyer gar gerichtlich zu unterbinden. Jetzt steht er wieder in der öffentlichen Kritik – doch diesmal zu Unrecht. Es ist falsch, ihn als Schuldigen für den Abgang von Personenverkehrschef Jürg Schmid hinzustellen.

Die Begründung für die Kündigung ist gemäss SBB und Jürg Schmid, dass dieser «zur Erkenntnis gelangte, dass die Aufgaben nicht seinen Vorstellungen entsprachen». Schmid fühlte sich in seiner Gestaltungsfreiheit und Kreativität eingeschränkt.

Nun, dass der Personenverkehrschef im Vergleich zum Direktor von Schweiz Tourismus einen kleinen Spielraum hat, hätte Jürg Schmid wissen müssen, bevor er bei den SBB unterschrieb. Statt 200 Mitarbeiter waren ihm neu 13 000 unterstellt. Schmid hätte auch bei Paul Blumenthal, dem zurückgetretenen Personenverkehrschef, nachfragen können – dieser sitzt seit Jahren im Vorstand von Schweiz Tourismus.

Schmid hätte zudem klar sein müssen, dass die SBB keine Kreativfirma sind, sondern eine «schon fast militärische Organisation», wie es der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel einst formulierte. Der Bundesbetrieb muss vor allem eines: zuverlässig wie ein Uhrwerk funktionieren.

Dass Andreas Meyers Führungsstil umstritten ist, war ebenfalls kein Geheimnis. Meyer führt an der kurzen Leine und gilt als Kontrollfreak. Das kann man gut oder schlecht finden – Fakt ist, dass sich Schmid seinen Chef freiwillig ausgesucht hat. Fakt ist auch, dass Meyer in seinen drei Jahren bei den SBB überraschend positive Resultate erzielte.

Was diese Woche geschah, ist kein Fall Meyer, sondern ein Fall Schmid. Zwar dürfen sich auch Spitzenkräfte irren, und dann ist es richtig, wenn sie die Konsequenzen sofort ziehen. Aber Schmid kehrt geschwächt zu Schweiz Tourismus zurück. Es wird ein, zwei Jahre dauern, bis seine Position wieder so stark ist wie zuvor.