Der Kommentar: Dem 18. Geburtstag fieberte man früher vor allem darum entgegen, weil man endlich das «Billett» machen konnte. Tempi passati. Die neue Mobilitätsstatistik zeigt, dass nur noch 59 Prozent der 18- bis 24-Jährigen einen Führerschein haben – verglichen mit 71 Prozent vor sieben Jahren. Sind das Auto und das Autofahrenlernen mit den Kursen, die heute obligatorisch sind, zu teuer geworden? Hat das Handy das Auto als Statussymbol abgelöst? Oder ist die Jugend ganz einfach grün?

Das mag alles mitspielen, doch entscheidend dürfte der Pragmatismus der Jugendlichen sein: Es ist bequemer geworden, mit dem öV an die Uni, ins Büro oder in den Ausgang zu fahren. Die Strassen sind tagsüber verstopft, und an den Wochenenden fahren Nachtzüge und -busse in fast jedes Dorf.

Ausgerechnet die oft als «verbeamtet» verschrienen öffentlichen Verkehrsbetriebe haben es wie nur wenige Branchen der Privatwirtschaft geschafft, neue junge Kunden zu gewinnen. Einerseits mit einem massiven Angebotsausbau, andererseits mit klugen Abo-Modellen, von denen die Jugendlichen profitieren. Das neuste Beispiel wurde gestern publik: Laut «NZZ» soll ein «Freizeit-Generalabo» für Jugendliche eingeführt werden.

In vielen Ländern fährt man Bahn nur aus Not. In der Schweiz gilt sie als cool. Die SBB sind zum Erzieher der Jugend geworden, die sich ganz schön vernünftig fortbewegt – mit freundlicher Unterstützung der Steuerzahler. Die Autoindustrie wird sich etwas einfallen müssen, sonst gehen irgendwann die Autoverkäufe zurück.

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