Der Kommentar: Lassen wir dahingestellt, ob das, was Günter Grass als Gedicht bezeichnet, die formalen Anforderungen erfüllt, die auch an die Lyrik gestellt werden dürfen. Versuchen Sie einfach, den Text laut zu lesen (Seite 37). Es ist ein Chnorz. Irgendein sinnvoller Rhythmus ist nicht auszumachen. Es sei denn, man erkenne noch im Lärm eines explodierenden Schrapnells eine organische akustische Struktur. Schieben wir auch zur Seite, dass Grass längst im Greisenalter angekommen ist. Der ehemalige Angehörige der Waffen-SS, der später, als es opportun war, die Werbetrommel für die SPD schlug, fühlt sich offenbar noch rüstig genug, das Bein zu heben. Und eine Duftmarke zu setzen.

Seine Hervorbringung riecht verdammt schlecht. Denn sie riecht nach Rechtfertigung. Der Nazi von damals, der seine Mitgliedschaft zu einer der blutrünstigsten Mord-Organisationen der Weltgeschichte sechs Jahrzehnte lang verschwieg, will wenigstens im Nachhinein noch recht bekommen. Er, der sich selbstverständlich dagegen verwahrt, ein Antisemit zu sein, feuert aus seinem Schreibmaschinengewehr und diffamiert Israel als Unrechtsstaat. Damit spielt der Literatur-Nobelpreisträger mit einem ungeheuerlichen Gedanken. Ohne allzu viel schlechten Willen kann man seine Zeilen so interpretieren: Hätte man seine Generation im Dritten Reich bloss machen lassen, dann gäbe es diesen aggressiven Judenstaat nicht. Und es gäbe heute also auch keine Bedrohung des Weltfriedens.

Statt die Pfeife im Ohrensessel zu schmauchen und die Urenkel auf den Knien zu gaumen, fühlte sich der alte Mann aus Gdansk dazu berufen, Israel das gleiche Gefährdungspotenzial zu unterstellen wie der islamistischen Diktatur Iran. Ach, hätte er doch die letzte Tinte für etwas anderes als dieses üble Pamphlet vergossen.

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