Schäubles Abgang von der internationalen Bühne würde die verfahrene Situation in Europa verbessern und das Vertrauen in Deutschland als verlässlichem Partner wiederherstellen. Das wäre wohl auch im Sinn seiner Chefin Angela Merkel. Dass Schäuble diese Woche in trotzigen Interviews erneut den Grexit als Lösungsweg ins Spiel brachte, obschon er am Wochenende von der Mehrheit der Eurofinanzminister in den Senkel gestellt wurde, offenbart ein erhebliches Mass an Sturheit.

Ein Abgang des unbequemen Finanzpolitikers würde hingegen keine Abkehr der Spar-Doktrin bedeuten. So haben sich die exkommunistischen Nordostländer der Eurozone in den Verhandlungen für eine noch härtere Gangart gegenüber den Griechen ausgesprochen. Mit oder ohne Schäuble, den eingeschlagenen Weg der Austeritätspolitik wird die Eurozone weiter beschreiten. Wie gefestigt diese Position innerhalb der Gruppe ist, zeigt sich auch daran, dass der IWF weitere Gelder für Griechenland zur Verfügung stellt, obschon dessen Chefin Christine Lagarde an der Wirksamkeit des aufgegleisten Hilfspakets zweifelt und dringend eine nachhaltige Restrukturierung des gigantischen griechischen Schuldenbergs fordert.

An der Notwendigkeit eines Schuldenschnitts zweifelt niemand mit klarem Sachverstand. Selbst konservative Beobachter wie der «Economist» sehen nebst überfälligen Reformen keine andere Möglichkeit, wie der strangulierten griechischen Wirtschaft Sauerstoff zugeführt werden könnte. Tritt Wolfgang Schäuble zurück, steigen die Chancen auf eine vernünftigere Politik. Das ist entscheidend für Griechenland und Europa.

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