Der Kommentar: Die Nachricht macht stutzig. Was haben Bibelgruppen und Jungparteien miteinander zu tun? Warum steigt die Unterstützung der einen, wenn die anderen weniger erhalten? Grund für die Verwirrung ist die Art und Weise, wie das Bundesamt für Sozialversicherungen seine Gelder an die Jugendorganisationen verteilt. Es gibt einen fixen Betrag – aktuell 4 Millionen Franken –, um den die verschiedensten Gruppen konkurrieren. Erfüllen mehr Vereine die Kriterien, erhalten alle weniger. «Topfprinzip» nennt sich das auf Beamtendeutsch.

Der Bund greift nun bei der Umsetzung der Vergabekriterien strenger durch. Bibelgruppen, evangelikale Vereine und auch die Jungscharen erhalten keine Subventionen mehr für ihre Kinder- und Jugendarbeit. Dieser Entscheid ist gut, denn eine Nationalfondsstudie hat gezeigt, dass in diesen Gruppen das Missionieren im Zentrum steht und nicht die individuelle Entwicklung der Jugendlichen. Jeder darf seinen Glauben verbreiten, Anrecht auf Subventionen dafür hat er aber nicht.

Die Jungparteien profitieren von der strengeren Praxis. Im Topf bleibt mehr Geld für sie. Es zeigt sich aber auch eine Schwäche des Systems. Die Vergabe der Kinder- und Jugendförderung ist völlig unberechenbar. Je nachdem, wie viele Gruppen sich rechtzeitig bewerben, und je nachdem, wie streng der Bund kontrolliert, schwanken die Beträge. Planungssicherheit? Fehlanzeige. Während des Gesetzgebungsprozesses für das neue Kinder- und Jugendgesetz betonten Bundesrat und Parlament die Bedeutung der Jungparteien. Konsequent wäre es, deren Finanzierung separat zu regeln und sie berechenbar mit den nötigen Mitteln zu versorgen.

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