Der Kommentar: So entspannt kennt man den deutschen Trainer gar nicht. Scheinbar mitten im Holland-Spiel schlendert Jogi Löw von hinten auf einen Balljungen zu und stupst ihm spitzbübisch den Fussball unterm Arm weg. Den «Live»-Bildern der Uefa zufolge geschieht dies in der 22. Minute. Selbst als ein verdutzter Löw im Interview hinterher klarstellt, dass dies vor der Partie passierte, wird er fälschlicherweise noch vom Moderator korrigiert: «Nee, nee, da stands 0:0.»

Die EM-Gucker wurden bereits mehrmals beschummelt. Die Uefa will ein Bild einer friedlichen und farbenfrohen EM suggerieren – mit allen Mitteln. Solange es Szenen wie jene bei Löw sind, mag man darüber schmunzeln. Doch wir bekommen auch nicht zu sehen, wenn auf der Tribüne ein grosses Banner «Fairness in Fussball und Politik» fordert. Oder wenn Bengalos auf dem Rasen brennen.

Dabei werden hier Probleme bewusst unter den Teppich gekehrt – und damit jede Chance auf Lösungen. Wo wären wir heute, wenn der Petardenwurf im Zürcher Letzigrund totgeschwiegen geworden wäre? Anstatt wichtige Debatten zu führen, werden die Zuschauer für dumm verkauft.

Nun ist das Schweizer Fernsehen gefordert. Zwar ist es nicht verantwortlich für die gekauften EM-Bilder, aber auch das SF verliert durch solche Fakes an Glaubwürdigkeit. Gestern konnte sich das SF nicht zu einer Positionierung durchringen. Das werde mit der Uefa besprochen und nicht via Medien, hiess es. Anders reagierte die ARD. Sie beschwerte sich bei der Uefa und hielt in der deutschen «Tagesschau» fest: «Live ist live und muss live bleiben.» Eine Haltung, die man sich auch vom SF wünscht.

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