Die Nachricht: Ein internationales Recherche-Netzwerk hat 18,6 Millionen Dokumente der Enthüllungsplattform «Football Leaks» ausgewertet. Zum Vorschein kamen schmutzige Geldgeschäfte und Steuertricksereien von Stars wie Ronaldo, Özil oder Trainer Mourinho.

Der Kommentar: Am Freitag hat die Fifa stolz bekannt gegeben, welche drei Spieler bei der Wahl des Weltfussballers am 9. Januar noch im Rennen sind: Messi, Griezmann und Ronaldo. Am Tag danach hat der «Spiegel» ausführlich über die schmutzigen Geschäfte von Fussballstars berichtet, mit Ronaldo in der Hauptrolle. Eine Sensation ist dies nicht, wird doch schon lange über Steuerhinterziehungen von Messi und Neymar berichtet. Ohne dass es ihnen geschadet hätte; sie werden bejubelt, als wäre nie etwas gewesen. Auch Steuersünder Uli Hoeness hat viel Applaus erhalten, als er nach verbüsster Strafe wieder Präsident des FC Bayern geworden ist. Den meisten Sportfans sind moralische Aspekte weniger wichtig als Spektakel und Erfolg. Sie werden deshalb lediglich mit den Schultern zucken («Na, und?»), wenn sich nun noch viele neue Namen zu den bereits bekannten Tricksern Messi, Neymar und Mascherano gesellen.

Es gäbe schon Lösungen, um diesen Sumpf trockenzulegen: Die Steuerbehörden schauen nicht mehr weg, die Klubs sind keine Komplizen ihrer Stars mehr, und die Fifa tut etwas für ihre Glaubwürdigkeit, indem sie Steuerbetrüger wie Messi und Ronaldo nicht mehr für die Wahl des Weltfussballers zulässt. Ein solcher sollte nicht nur am Ball ein Vorbild sein, sondern auch charakterlich.

Die Football-Leaks-Enthüllungen erinnern an die Panama Papers. Erst ein halbes Jahr ist es her, seit ein Datenleck die Dimensionen von Steuerbetrug und Geldwäsche durch Briefkastenfirmen und Steueroasen offenlegte. Es gab eine Woge der Entrüstung, doch der Spuk war schnell vorbei. So wird es auch in diesmal sein: Am 9. Januar wird Cristiano Ronaldo als Weltfussballer bejubelt.

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