Der Kommentar: In Europa ist Barack Obama ein gefeierter Star. Er gilt als Erlöser nach acht Jahren Bush-Misere. Dass Mitt Romney neuer Präsident wird, ist auch für die meisten Schweizer unvorstellbar. Ihre Meinungen sind gemacht: Romney ist ein zweiter Bush. Hat eine komische Religion. Ist untauglich fürs internationale Parkett.

Die Europäer könnten sich irren. Wer in diesen Tagen durch die USA reist, spürt mehr und mehr Wechselstimmung. Und viel Angst, vor allem in ruralen Gegenden. Angst ist die beste Wahlhelferin für Mitt Romney.

Der Republikaner hat Lunte gerochen und ist seit der Debatte bei seinen öffentlichen Auftritten nicht mehr wiederzuerkennen. Er ist «on fire», wie die Amerikaner sagen: voller Selbstvertrauen und Kampfeslust. Schon während seiner Zeit als Finanzhai bei Bain Capital funktionierte Romney so. Wenn er ein Ziel vor Augen hat, schaltet er einen Gang höher und gibt alles, um dieses zu erreichen.

In Michigan, dem Zentrum der US-Autoindustrie, die Obama vor drei Jahren gerettet hat, betrug der Vorsprung des Präsidenten im September satte 14,2 Prozent. Heute ist es weniger als die Hälfte. Schafft es der müde wirkende Präsident nicht, sich bis zum Dienstag für die zweite Debatte aufzuraffen, wird sein Vorsprung weiter schmelzen.

Die Arbeitslosenquote mag zwar unter 8 Prozent gefallen sein, doch Romney wird am Dienstag genügend andere Zahlen im Köcher haben: Neue Daten zur Armutsrate, zum Handelsdefizit und zu den Exporten schaden Obama. Gegen diese Zahlen und gegen diesen Romney hat es jeder Gegner schwer. Auch Europas Held Barack Obama.

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