Der Kommentar: Zwölf Jahre lang war praktisch ein Mann der Erfolgsgarant des Schweizer Teams. Ausnahmekönner Roger Federer hielt die Mannschaft fast im Alleingang in der höchsten Liga. Lediglich vor drei Jahren reichte gegen ein sehr starkes Tschechien auch seine Klasse nicht. Doch korrigierten die Schweizer den Betriebsunfall eine Saison später.

Federer weckte Appetit auf mehr, als nur im Abstiegskampf zu bestehen. Sogar der erstmalige Triumph in diesem Wettbewerb schien mit dem Baselbieter möglich. Zumal er immer wieder betonte, wie sehr ihm der Davis-Cup und der Teamgedanke am Herzen lägen.

Lange Zeit war Federer der Einzelkämpfer. Doch seit einigen Jahren weiss er mit Stanislas Wawrinka einen Mann an seiner Seite, mit dessen Hilfe sich der Traum vom Sieg im Davis-Cup durchaus erfüllen liesse. Nun braucht es dazu auch ein wenig Glück, zum Beispiel bei der Auslosung. Planen lässt sich der Erfolg kaum. So setzte Federer lieber auf seine
Einzelkarriere, war aber stets zur Stelle, den Platz in der Weltgruppe zu sichern. Damit hielt er sich selbst das Türchen offen, bei günstiger Gelegenheit mal von Saisonbeginn an anzugreifen.

Diese Chance hat er sich selbst genommen. Im kommenden Jahr kämpft die Schweiz nur um den Aufstieg. 2012 steht Olympia auf dem Programm, Federer räumt den Spielen in London grossen Stellenwert ein. Und ob er in drei Jahren, er wird dann 32 Jahre alt, noch die Klasse besitzt, um nochmals nach dem Davis-Cup zu greifen, ist mehr als fraglich.

Es scheint, die Ära Federer im Davis-Cup ist zu Ende. Wenn dem so ist, hat sich der Superstar ziemlich schäbig verabschiedet. Müdigkeit schob er vor, liess seine Freunde und Kollegen im Stich. Ganz im Gegensatz zu Wawrinka. Der stellte sich der Herausforderung, obwohl er sich keineswegs frisch fühlte. Wie hoch Federer den sportlichen Stellenwert des Davis-Cup einschätzt, ist alleine seine Sache. Wie viel für ihn aber ein Team zählt, das wesentlich mehr als eine Zweckgemeinschaft ist, stellt kein gutes Zeugnis aus.