Der Kommentar: Die Versicherungsgesellschaften spielen ein gefährliches Spiel. Auf der einen Seite fordern sie, dass Mindestzinsen und Umwandlungssätze streng an Marktrenditen ausgerichtet werden. Gleichzeitig aber wollen sie bei den Anlageerträgen nichts von Marktnähe wissen und nutzen geschickt die altmodischen Ertragsberechnungen aus, die ihnen das Gesetz vorgibt. Trotz derzeit hoher Anlagerenditen kommt daher nur wenig beim Versicherten an. Das lässt Zweifel aufkommen.

Und Zweifel kann derzeit keiner brauchen, denn die Altersvorsorge hat gravierende Probleme. Die klassische Pensionskassenrechnung geht nicht mehr auf. Jedes Jahr steigt unsere Lebenserwartung und damit die Zahl der Jahre, während der wir Rente beziehen. Da ist es logisch, dass aus gleich viel angespartem Kapital eine tiefere Rente werden muss. Oder für die gleiche Rente mehr einbezahlt werden muss. Schon heute bezahlen die Jungen einen Teil ihrer Beiträge direkt an die Rentner, was in der 2.Säule nicht vorgesehen ist. Doch die Rentenreform, die das ändern will, steckt seit Jahren fest.

Gerade deshalb müssen sich die Versicherer an der Nase nehmen. Niemand stellt in Abrede, dass sie mit ihren Dienstleistungen Geld verdienen dürfen. Das gehört nun mal zur Marktwirtschaft. Aber wenn Anlagegewinne künstlich hinausgezögert werden, um die Zinszahlungen zu beeinflussen, schafft das kein Vertrauen. Und wenn Marktlogik nur da angewandt wird, wo sie nützlich ist, schadet das sogar. Noch einmal können wir es uns nicht leisten, dass die Versicherungswirtschaft eine Vertrauensabstimmung zur Altersvorsorge verliert.

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