Antwort von Oswald Grübel: Immobilien heissen so, weil man sie nicht immer dann verkaufen kann, wenn man will. Deshalb haben die Banken in der Geschichte auch mehr an Immobilienkrediten verloren als in jeder anderen Risikokategorie. Weil der Immobilienmarkt Teil der Innenpolitik ist, wird er von den Regulatoren mit viel zu tiefen Kapitalanforderungen bevorzugt behandelt.

Es ist zu begrüssen, dass die SNB sich jetzt entschlossen hat, die Kapitalhinterlegung um 1 Prozentpunkt zu erhöhen. Mehr wäre besser gewesen. Das wird zwar die Hypotheken geringfügig verteuern, aber leider nicht das angestrebte Ziel erreichen, die Nachfrage zu bremsen. Diese Anpassung entspricht einer Erhöhung der Hypothekarkosten um 0,25 Prozent, was einer Verteuerung von 2500 Franken im Jahr auf eine Hypothek von 1 Million entspricht. Das wird niemanden ernsthaft vom Erwerb einer Immobilie abhalten. Wenn wir einen Zusammenbruch des Marktes wie Anfang der 90er-Jahre vermeiden wollen, müssten wir viel mehr tun. Das würde aber gerade jetzt die Wirtschaft noch mehr belasten, denn Hausbau und Immobilienerwerb sind die stärksten Konjunkturtreiber jeder Binnenwirtschaft. Wir sehen an diesem Beispiel, dass es nichts umsonst gibt. Wenn wir weniger Risiko haben wollen, müssen wir auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.

Ich glaube nicht, dass wir dieses Mal anders entscheiden werden als in der Vergangenheit. Der heimische Immobilienmarkt ist innenpolitisch viel zu wichtig, um abgewürgt zu werden. Deshalb werden wir wieder eine Immobilienkrise haben und die Banken werden wieder Milliarden verlieren. Das ist nicht falsche Ironie, sondern eine nüchterne Beurteilung des Geschäftes und der Kräfte, welche es beeinflussen.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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