Tatsächlich haben die Optimisten einige Argumente auf ihrer Seite. So übertrafen in den USA mehr als 80 Prozent der Unternehmen mit den Quartalszahlen die Erwartungen. Und auch bei uns halten sich die negativen Überraschungen in Grenzen.

In vielen Fällen sind die besseren Ergebnisse indessen nicht durch steigende Nachfrage, sondern schlicht durch Kostensenkungen erreicht worden. An dieser Schraube lässt sich nicht unendlich drehen.

Was spricht für ein Ende der Rezession, was dagegen? Positiv ist, dass China, Indien und weitere Schwellenländer kräftig investieren und entsprechend Produkte nachfragen. Deutschland, der wichtigste Handelspartner der Schweiz, verzeichnet von April bis Juni ein Wachstum der wirtschaftlichen Leistung von 0,3 Prozent – die erste Zunahme seit März 2008. Das alles bei anhaltend tiefen Zinsen.

Auf der negativen Seite verunsichert die weiter wachsende Arbeitslosigkeit, die den Konsum dämpft und so die Binnenkonjunktur nicht vorwärts bringt. Bei uns wird im nächsten Jahr eine Arbeitslosenrate von 5 bis 6 Prozent erwartet – 50 Prozent höher als heute. In den USA droht aufgrund gewaltiger Ausfälle auf Kreditkarten bereits die nächste Blase zu platzen. Und schliesslich ist die Kreditvergabe der Banken an Firmen noch weit weg vom gesunden Niveau.

Freuen wir uns erst einmal an den Kursgewinnen, die sich in der abgelaufenen Woche erzielen liessen. Der UBS-Kurs reagierte auf die Einigung im US-Steuerstreit zwischen Mittwoch und Freitag mit einem Sprung von 8 Prozent.

Die als Übernahmekandidat gehandelte Nobel Biocare legte an fünf Börsentagen fast 10 Prozent zu. Schwergewicht Swiss Re, einer meiner Favoriten, kam auf ein Wochenplus von 3 Prozent. Swatch schliesslich legte im Lauf der Woche, nach guten Prognosen für das zweite Halbjahr, um 16 Prozent zu.

Eilt die Börse dem Aufschwung auch diesmal mit einem Vorlauf von sechs bis neun Monaten voraus? Signalisieren die Kursgewinne das Ende der Rezession? Im Moment sieht es danach aus. Aber zuerst muss sich die Hausse der vergangenen Wochen als nachhaltig erweisen. Börsianer bleiben vorsichtig.