Monat suchen Firmen nach Möglichkeiten, damit ihre Pensionskasse nicht in eine Unterdeckung gerät.

Der Kommentar: Mit wuchtigen 72 Prozent lehnte das Schweizer Stimmvolk die Vorlage zur Rentenkürzung ab. Und was geschieht nun? Die Renten werden trotzdem reduziert. Weil die Firmen aber den Umwandlungssatz im obligatorischen Teil nicht senken dürfen, entwickeln sie andere Ideen, um die Rechnung nicht aus dem Ruder laufen zu lassen: Sie erhöhen das Rentenalter (Migros, SBB), sie senken den Umwandlungssatz im Überobligatorium (Roche, Bund) und machen die Frühpensionierung weniger attraktiv (SRG).

«Typisch», mag sich manch einer denken, «jetzt handeln sie gegen den Volkswillen!» Diese Reaktion ist nachvollziehbar. Trotzdem ist die Senkung des Umwandlungssatzes im Überobligatorium legitim und betrifft in erster Linie Arbeitnehmer mit komfortablen Einkommen. Wenn die Migros – eine der sozialsten Arbeitgeberinnen des Landes – das Rentenalter von 63 auf 64 erhöht, wird sich die Kassiererin zwar ärgern. Klagen darf sie aber nicht. Genauso wie die Privatbanker von Julius Bär nicht, deren Rentenalter von 63 ebenfalls zur Debatte steht. ^

Laut den Pensionskassenexperten der Swisscanto gilt in rund 90 Prozent aller Firmen bereits das Rentenalter 65. Alles darunter – Sonderfälle ausgenommen – ist Luxus. Die Massnahmen sind eine logische Anpassung an die demografische Entwicklung. Wir werden älter. An dieser Tatsache kann auch ein Nein an der Urne nichts ändern. Über die Prognosen, ob ein heute 65-jähriger Schweizer Mann 85 oder 90 Jahre alt wird, lässt sich streiten. Fakt ist: Viele Pensionskassen rechnen bereits heute mit einer zu tiefen Lebenserwartung und dürften langfristig zu wenig Kapital angehäuft haben.

Die verschärften Regelungen bei der Migros, Roche oder SBB wurden schon vor der Abstimmung aufgegleist. Gut möglich, dass nun einige Kassen mit neuen Massnahmen vorerst zuwarten, da das gesellschaftliche Klima weitere Kürzungen kaum gutheissen würde. Das ist gut so: Denn gleichzeitig dürfen es sich die Pensionskassen-Manager nicht zu einfach machen. Sie müssen gezwungen sein, auch nach anderen Sparmöglichkeiten zu suchen, zum Beispiel bei zu hohen Verwaltungskosten.