Im herrlichen Walliser Bergpanorama, zwischen Lax und Fiesch, springen unvermittelt drei Wagen aus dem Gleis. Passagiere werden durch die Fenster geschleudert, eine Frau stirbt, sechs weitere Menschen werden schwer verletzt.

In Duisburg, wo mehr als eine Million Menschen sich zum Motto «The Art of Love», die Kunst der Liebe, durch die Stadt bewegen, bricht in einem Tunnel Panik aus. Mindestens 15 Menschen werden zu Tode gequetscht.

Für die Angehörigen ist es ein Drama; für die Öffentlichkeit, für Behörden und die Medien stellen sich schnell die Fragen: Wie kann das passieren? Wer ist schuld? Was muss vorgekehrt werden, dass sich solche Unfälle nicht wiederholen?

Beim Bahnunglück gibt es keine schnellen Antworten. «Wir tappen im Dunkeln», sagt der Pressesprecher des Glacier Express – weder an den Schienen noch an den Wagen soll es liegen, Hinweise auf menschliches Versagen gibt es ebenfalls keine. Der Unfall, der es bis Japan auf die Titelseite der Zeitungen geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Anders bei der Love Parade.

Da scheint schnell alles klar. Deutsche Internetportale berichten gestern Nachmittag, wie fahrlässig Menschenleben aufs Spiel gesetzt wurden: «Das Areal ist ein abgeschlossenes Gelände mit nur einem Eingang. Die Menschen waren eingekesselt. Fluchtmöglichkeiten: null!»

In beiden Fällen bleibt ein Gefühl der Ohnmacht – und die Erkenntnis: Selbst beim topmodernen Glacier Express sind tödliche Unfälle möglich. Selbst in Deutschland, das als perfekter Veranstalter von Grossanlässen gilt, finden dilettantisch organisierte Partys statt, die zur Todesfalle werden.

Das Leben geht weiter. Der Glacier Express soll heute wieder fahren. An der Love Parade wurde schon gestern Abend wieder getanzt. Letzteres allerdings ist so unglaublich wie das Unglück selbst.