Wenn nicht alles täuscht, wird die FDP am stärksten zulegen, Sitzgewinne winken auch der SVP. Dies vor allem auf Kosten der «neuen Mitte», die vor vier Jahren zugelegt hat und dem links-grünen Lager im Parlament wiederholt zu Mehrheiten verhalf – etwa in der Energiewende oder bei der AHV-Reform. Ein Rechtsrutsch also. Doch welche Folgen hätte er? Zumindest beim zentralen Zukunftsthema dürfte sich wenig ändern: Die Frage, wie wir unser Verhältnis zu Europa gestalten und die Zuwanderung regeln, entzweit die beiden wahrscheinlichen Wahlsieger mehr denn je. Im Wahlkampf haben sich die Freisinnigen mit jeder Woche deutlicher von der SVP distanziert. Für die FDP steht die Bewahrung der bilateralen Verträge mit der EU über allem, insbesondere über der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Bei der SVP ist es gerade umgekehrt: Die Zuwanderungsbeschränkung hat bei ihr Priorität.

Auffällig ist, wie sich das Klima zwischen den beiden Parteien in den letzten Wochen verschlechtert hat. Übte man nach dem 15. Januar, dem Tag der Franken-Freigabe, noch den Schulterschluss, gibt man sich nun Saures. «Wirtschaftsfeindlich» sei die SVP, tönt es beim Freisinn. Christoph Blocher seinerseits wird persönlich und kritisiert FDP-Präsident Philipp Müller in seiner neusten TV-Sendung minutenlang wegen seines Autounfalls. Das soll die Basis für eine erspriessliche Zusammenarbeit der beiden «natürlichen Partner» sein, wie es einst hiess?

Wie weit es her ist mit dem Rechtsrutsch, wird sich wohl erstmals am 9. Dezember zeigen, wenn das neue Parlament den Bundesrat wählt: Die geschlossene Unterstützung der FDP ist Voraussetzung dafür, dass ein zweiter SVP-Bundesrat, wenn überhaupt, eine Chance hat.

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