Der Kommentar: Frankreich debattiert derzeit, ob der Front National (FN) eher rechtsextrem oder eher populistisch sei. Unter dem Parteivorsitz von Jean-Marie Le Pen von 1972 bis 2011 war das Attribut «rechtsextrem» zweifellos angebracht: Der FN-Gründer siedelte sich selber ausserhalb des Systems an und provozierte mit seinen antisemitischen und rassistischen Sprüchen. Marine Le Pen gibt sich gemässigter, um in den Élysée-Palast gewählt zu werden. Anders als ihr wirtschaftsliberaler Vater lehnt sie sogar die Bezeichnung «rechts» für ihre Partei ab. Und sie vertritt öfters sogar linke Positionen: Sie setzt sich für die einfachen Leute ein, fordert eine Erhöhung der tiefen Einkommen um 200 Euro und ist gegen die «ultraliberale», «bankenhörige» EU.

Damit wären wir bei der SVP. Als Guy Parmelin diese Woche neuer Bundesrat wurde, titelte das konservative Magazin «Le Point» in Paris: «Die extreme Rechte verstärkt ihre Präsenz in der Schweizer Regierung.» Umgekehrt sagte der Waadtländer, in Frankreich fühle er sich nicht dem «sozialistischen» Front National nahe, sondern eher den gaullistischen Republikanern eines Alain Juppé.

Das zeigt: Parteipolitische Vergleiche über Landesgrenzen hinweg bringen wenig. Während die «Bauernpartei» integrierter Bestandteil eidgenössischer Politik ist, politisiert der FN bisher ausserhalb des Systems. Um zumindest medial zu existieren, handeln die Le Pens nach dem Prinzip des Lärmmachens. Dahinter scheinen zudem Mentalitätsunterschiede zwischen Frankreich und der Schweiz auf. Tatsache bleibt: Das Nahe wirkt – sowohl in der Schweiz wie in Frankreich – naturgemäss vertrauter als das Ferne, weniger exotisch und damit weniger extrem. Auch wenn es in vielem identisch ist.

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