Thesen für diese Verschiebung in den Städten gibt es reichlich. Vor Jahrzehnten prägte der Ökonom René Frey den Begriff der A-Stadt: Zunehmend Alte, Arme, Arbeitslose, Alleinerziehende, Auszubildende und Ausländer machen sich in den Städten breit und vertreiben die bürgerlichen Politiker aus Amt und Würden. Doch die Erklärung von Frey ist überholt: Längst sind es begüterte Schweizer und gut ausgebildete Ausländer, die sich in den ehemaligen Arbeiterquartieren breitmachen und die «A-Städter» an die Peripherie drängen.

Auch der urbane Lifestyle der neuen Städter verlangt nach einem Ausbau der staatlichen Leistungen. Sie wollen die besten Schulen mit Tagesstrukturen, einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr und vielseitige Kulturangebote. Die Befriedigung der Ansprüche verschlingt etliche Steuermillionen – welche die links-grünen Regierungen gerne bereitstellen. Gleichzeitig haben sich linke Politiker längst vom fortschrittsfeindlichen Pathos ihrer Vorgänger verabschiedet und zelebrieren sich als wirtschaftsfreundliche Stadtentwickler, die beschauliche Quartiere abreissen und Wolkenkratzer hochziehen. Sie werden damit für breite Kreise wählbar.

Die Verdrängung der bürgerlichen Parteien aus den Stadtexekutiven ist letztlich auf eigenes Versagen zurückzuführen. Dabei spielt kaum eine Rolle, dass die SVP mit ihrem national-konservativen Kurs für viele Städter unwählbar geworden ist – sie war es meist immer in den grossen Städten. Der Wandel ist daher vor allem auf die Unfähigkeit der Freisinnigen zurückzuführen, talentiertes Personal nachzuziehen. In den Blütezeiten des Freisinns war es eine Selbstverständlichkeit, dass Unternehmen das politische Engagement ihrer Mitarbeiter förderten. Heute können politisch Ambitionierte froh sein, wenn es noch geduldet wird. Im heutigen, auf Hochleistung getrimmten Arbeitsmarkt fehlt schlicht die Zeit für die politische Knochenarbeit.

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