Man hat Kachelmann in den letzten Tagen die «Vermarktung» seines Schicksals vorgeworfen. Das ist scheinheilig: Man kann Kachelmann seinen unbändigen Zorn und sein mediales Talent nicht vorwerfen. Schliesslich ist trotz Freispruch seine Reputation trotz des Erfolgs beschädigt und die TV-Karriere futsch. Nur Heilige können schweigen und verzeihen. Und zu denen gehört Kachelmann aber nicht mehr.

Gerade deswegen stört sein absolutes Credo auf «Recht und Gerechtigkeit.» Das ist zu stark «Sein oder Nichtsein» – und zu wenig «Luusmeitli». Ein Gang tiefer wäre auch gegangen: «Mannheim», so der ursprüngliche Titel, tönte glaubwürdiger. Manchmal soll man die berühmte Moralkeule nur beschreiben – und nicht schwingen. Wie hat der Schreibende irgendwann gelernt: Recht mag es geben, Gerechtigkeit nur selten. Das war 1985, in der ersten Univorlesung.

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