Der Kommentar: Der Schweiz scheint es zu ergehen wie in der berühmten Geschichte vom Frosch im Topf. Der Frosch merkt nicht, wie sich die Temperatur im Topf allmählich erhöht – bis es zu spät ist. Wäre er in heisses Wasser geworfen worden, er hätte alles für seine Rettung getan.

So ähnlich verharrt die Schweiz in wohliger Untätigkeit, während sich schleichend, aber stetig Teile ihrer Industrie verabschieden. Und damit auch Jobs. Swissmechanic-Präsident Roland Goethe sagte dazu diese Woche: «Was mich am meisten beschäftigt, ist die fehlende Diskussion. Insbesondere die Politik geht ihr seit Monaten aus dem Weg.»

Nun wird an Manager-Seminaren gerne vom Frosch im Topf erzählt – die Geschichte ist aber falsch. Die «Zeit» hatte einst einen Zoologen ausgegraben, der tatsächlich im Dienste der Wissenschaft hübsche, kleine Frösche langsam erhitzte. Die armen Viecher versuchten sehr wohl, dem Topf zu entkommen.

Die Schweiz dagegen sitzt im Topf und macht nicht einmal eine gründliche Analyse. Was ist riskanter: Wenn die Nationalbank mehr Franken druckt, um Euros zu kaufen? Oder die Löhne generell zu senken? Wo soll konkret Bürokratie abgebaut werden? Wie viel würde das bringen? Darauf braucht es Antworten. Notfalls von einer Expertenkommission.

Den Arbeitnehmern bleibt dieses Jahr ein Trost. Die Lohnerhöhungen dürften mickrig ausfallen. Aber weil gleichzeitig die Preise sinken, dürfte es real (kaufkraftbereinigt) doch noch ein kräftiges Plus geben.

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