Der Kommentar: Die Zahl der Verkehrstoten in der Schweiz sinkt jedes Jahr, auf zuletzt 349. Doch das ist nicht genug. Damit sie weiter sinkt, müssen strengere Regeln her. Was soll verändert werden? Verkehrspsychologen müssen die Möglichkeit erhalten, noch mehr Fahrer auf ihren Charakter hin zu überprüfen. Es gibt zu viele Raser, zu viele Alkohol-Fahrer, zu viele Drängler, zu viele Verkehrsrowdies. Das Auto eines aggressiven oder eines betrunkenen Fahrers wird zu einer tödlichen Waffe.

Psychologen müssen die Möglichkeit haben, aggressive Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie Schaden anrichten können. In diese Richtung geht Moritz Leuenberger mit einer seiner letzten Amtshandlungen als Bundesrat: Das auf 36 Massnahmen zusammengestrichene Paket «via sicura» für mehr Sicherheit im Strassenverkehr hat zum Ziel, die Zahl der Verkehrsopfer um einen Viertel zu senken. Dort heisst es: «Obligatorische Anordnung einer Fahreignungsuntersuchung bei zu hoher Blutalkoholkonzentration (ab 1,6 Promille), Konsum von Betäubungsmitteln mit hohem Suchtpotenzial, extreme Geschwindigkeitsüberschreitungen, Schikanenstopps.»

Beispiel Alkohol: Derzeit wird in der Schweiz zwingend medizinisch überprüft, wer mit mehr als 2,5 Promille im Blut beim Fahren erwischt wird. In vielen anderen europäischen Staaten liegt die Grenze für ein Gutachten tiefer: In Deutschland bei 1,6 Promille – dann folgt ein verkehrsmedizinisches und ein psychologisches Gutachten. Diese Möglichkeit müssen auch die Psychologen in der Schweiz erhalten.

Wer so viel trinkt und dann noch fährt, der muss genau getestet werden. Wenn es ein einmaliger Ausrutscher war, dann werden die Verkehrspsychologen dies merken: Sie haben meistens nicht nur ein gutes Gespür, sondern immer eine Liste mit zahlreichen Kriterien zur Verfügung, anhand deren sie Menschen auf ihre charakterliche Fahrfähigkeit hin überprüfen können. Nun greifen sie härter durch: Haben sie früher Gnade vor Recht walten lassen, empfehlen sie heute im Zweifelsfall meist auf Fahrausweisentzug. Wenn noch mehr notorische Raser als bisher psychologisch beurteilt werden müssen, wird es mehr Fahrausweisentzüge geben – und die Zahl der Verkehrstoten wird weiter sinken.