Der Kommentar: Genossenschaften sind eine gute Sache. Man muss kein Sozialist sein, um Sympathien für eine Unternehmensform zu haben, bei der nicht anonyme Investoren profitieren, sondern Kunden und Mitarbeiter. Das gilt auch für Banken.

Die Raiffeisen-Gruppe hat sich in ein Dilemma manövriert. Direktor Pierin Vincenz hat aus dem früheren Genossenschafts-Verband einen integrierten Konzern gemacht, der in alle möglichen Bereiche expandiert. Die rechtliche Struktur aber ist noch immer die eines Verbandes selbstständiger Firmen. Offiziell ist Vincenz Befehlsempfänger der 300 lokalen Bankdirektoren. Faktisch ist es umgekehrt.

Die Genossenschafter müssen handeln: Entweder sie passen die Realität den Strukturen an und binden die Zentrale zurück. Das bedeutet, dass diese eigene Abenteuer wie Notenstein und Leonteq aufgibt und dass sich die vielen Banken zu wenigen schlagkräftigen Regionalbanken zusammenschliessen, die auch allein überleben könnten. Oder sie nehmen sich konsequenterweise die Mobiliar zum Vorbild und fusionieren die Banken in eine echte, grosse Bank, die direkt von den Genossenschaftern kontrolliert wird. Klar ist: Mit dem neuen Status der Systemrelevanz ist der Moment gekommen, sich vom nostalgischen Bild der Dorfbanken mit Schindeln und Geranienkisten zu verabschieden.

Gefährlich ist das diskutierte Modell der WIR Bank oder die Aufnahme von neuem Kapital über Pseudoaktien. Es verlässt den genossenschaftlichen Weg und führt ein falsches Shareholder-Denken ein. In einer Genossenschaft sollten die Mitglieder profitieren und nicht irgendwelche Kapitalgeber.

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