Der Kommentar: Listenverbindungen haben einen schlechten Ruf. Wer im Herbst in den Kantonen Zürich und Aargau die Grünliberalen wählt, wählt auch die Umweltnationalisten des Ecopop-Vereins: Das ist der Vorwurf, den sich nun besonders die Partei von Martin Bäumle gefallen lassen muss. Kaum eine andere Partei profitierte in der jüngeren Vergangenheit dermassen von Listenverbindungen wie die Grünliberalen. Und anders als früher machen die Medien das Instrument vermehrt zum Thema.

So unschön die Zweckbündnisse in manchen Kantonen sein mögen: Die Kritik daran ist übertrieben. Zum einen helfen Listenverbindungen, unbestrittene Defekte im Wahlsystem für den Nationalrat zu korrigieren. Das liegt an der veralteten Einteilung der Wahlkreise: In kleineren Kantonen ist es für kleine Parteien fast ausgeschlossen, einen Sitz im Nationalrat zu gewinnen. Die Einführung eines faireren Proporzwahlsystems ist deshalb überfällig. Unterstützer hat eine solche Reform aber kaum.

Zum anderen kann man zu Recht darüber klagen, dass Listenverbindungen den Wahlausgang verzerren. Nur: Auf ein anderes Problem trifft das noch viel stärker zu. Als praktisch einziges Land in Europa kennt die Schweiz keine Regeln über die Finanzierung von Wahl- und Abstimmungskämpfen. Dabei zeigt sich regelmässig, dass die Mittel zwischen den politischen Parteien höchst ungleich verteilt sind.

Wer sich wirklich um die Qualität der direkten Demokratie sorgt, muss bei der intransparenten Finanzierung der Politik beginnen.

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