Der Kommentar: Sex ist Big Business. Überall auf der Welt. Auch in der Schweiz. Da können die Polizeisprecher in Appenzell Innerrhoden, Uri und Zug noch lange behaupten, bei ihnen gebe es «offiziell keine Prostitution». Oder aber geht es in diesen Kantonen tatsächlich päpstlicher zu und her als anderswo? Von einer solchen Annahme auszugehen, wäre «verwegen», wie es Doro Winkler vom Frauen-Informations-Zentrum in Zürich auf den Punkt bringt.

Die Branche mit der Lust boomt. Mit all ihren Widerwärtigkeiten von Menschenhandel über Misshandlungen bis Mietwucher. Strichpläne, Polizeirazzien und Präventionsarbeit lenken das Sex-Milieu nur bedingt in geregelte Bahnen. Gut, gibt es eine Koordinationsstelle gegen Menschenhandel und Menschenschmuggel. Aber das reicht nicht. Es braucht eine Debatte über ein nationales Prostitutionsgesetz. In Deutschland sind damit positive Erfahrungen gemacht worden. Das horizontale Gewerbe wurde dort aus der Grauzone gehoben und gilt nicht mehr als «sittenwidrig». Es ist eine Arbeit, so normal sie eben sein kann – angesiedelt im Dienstleistungssektor, sozialversicherungs- und steuerpflichtig.

Ein nationales Prostitutionsgesetz wird das Problem der illegalen Einwanderinnen nicht ganz lösen. Es wäre aber ein folgerichtiger und ehrlicher Schritt, Prostituierte mit anderen Berufsgruppen gleichzustellen. FDP-Politikerin Christa Markwalder hat schon vor sechs Jahren gefordert, Prostitution ins eidgenössische Berufsverzeichnis aufzunehmen.

Schliesslich steht ein geschätzter Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Franken für eine enorme Schattenwirtschaft, die es auszuleuchten gilt. Doch die Bestrebungen für klarere Richtlinien kommen nur schleppend voran. Ein Prostitutionsgesetz wird erst vereinzelt diskutiert (Zürich, Bern) oder angewandt (Genf, Tessin). Mit dem Thema Prostitution lassen sich eben keine politischen Lorbeeren und schon gar keine Wählerstimmen holen.

Mit dieser Mischung aus Doppelmoral und Gleichgültigkeit wird das Feld aber den Menschenhändlern, Schleusern und Zuhältern überlassen.