Der Kommentar: Nur der Russe Alexander Kolobnew hat an der Tour de France für den berühmten «Tolggen» im Reinheft gesorgt. Seine Überführung als Dopingsünder passte allerdings nicht in das ansonsten äusserst positive Gesamtbild – wobei man mit der Verwendung des Begriffs «positiv» im Zusammenhang mit Doping ja vorsichtig sein muss.

Die Signale stimmen jedenfalls zuversichtlich. Die Zeiten eines Überfliegers à la Lance Armstrong, der die Tour de France und seine Gegner nach Belieben dominierte und starke Leistungen à discrétion abzuliefern vermochte, sind offenbar vorbei. Sämtliche Favoriten auf den Gesamtsieg zeigten zum einen oder anderen Zeitpunkt Schwächen. Tour-de-France-Sieger Cadel Evans gewann die Tour dank seiner Konstanz und seiner Stärke im Zeitfahren, war aber alles andere als ein Überflieger, der mit seinen Kontrahenten Katz und Maus spielte.

Weitere Hinweise, dass der Radsport sauberer geworden ist, hat die Frankreich-Rundfahrt zur Genüge geliefert. Dass die Franzosen erstmals seit vielen Jahren wieder eine prägende Rolle spielten, darf man als positives Zeichen interpretieren. In Frankreich hatte man sich jahrelang über die «Tour der zwei Geschwindigkeiten» beklagt. Und dass der schnellste Mann im Aufstieg zur Alpe d’Huez, Pierre Rolland, 42 Minuten brauchte und damit weit über 4 Minuten langsamer war als Rekordhalter Marco Pantani im Jahr 1998, spricht ebenfalls für sich.

Trotzdem: Naivität und blinde Euphorie sind fehl am Platz. Der Radsport hat im Vergleich zu allen anderen Sportarten am meisten im Kampf gegen den Dopingmissbrauch getan. Das Beispiel Kolobnew zeigt aber auch, dass es immer noch Unverbesserliche gibt – und weiterhin geben wird.

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