Der Kommentar: Das Verhältnis der Schweizer zu ihrer Landwirtschaft ist ein besonderes. Misst man diesen ersten Sektor an der öffentlichen Aufmerksamkeit, ist man versucht zu glauben, die Schweiz sei ein Agrarstaat. Eine andere Sprache spricht das Bruttoinlandprodukt (BIP) als wichtigstes Mass für den Wohlstand einer Volkswirtschaft: Der Anteil der Landwirtschaft liegt bei 1,2 Prozent – will heissen, die Landwirtschaft trägt mit 1,2 Prozent zum schweizerischen Wohlstand bei. Dies verglichen mit dem Anteil der Industrie von über 18 Prozent zum Beispiel.

Die CVP richtet daran neu ihre Politik aus, und das aus barem Populismus, weil sie hofft, der SVP ein paar Stimmen abzujagen. Der Preis dafür sind die Abschottung der Schweizer Landwirtschaft und zunehmender Protektionismus – mit gravierenden Folgen für die ganze Volkswirtschaft: Weil Konsumenten und Handel höhere Preise bezahlen und weil die Wettbewerbsfähigkeit des Landes geschwächt wird. Dabei wüsste man in der Schweiz und wohl auch in der CVP, welche Konsequenzen das hat. Die 1990er-Jahre haben es gezeigt. Mit einem stagnierenden BIP galt die Schweiz als Hochpreisinsel. Das Land fiel mit schwachen Wachstumsraten hinter das Ausland zurück.

Aber erst mit ansprechenden Wachstumsraten kann sich ein Land zum Beispiel seine Sozialwerke finanzieren; die AHV und die Arbeitslosenversicherung, um nur die grössten zu nennen. Und diese Errungenschaften nutzen allen Schweizern, nicht nur den Bauern, die kaum mehr drei Prozent der Bevölkerung stellen. Zugegeben, die Bauern stecken in einem schmerzhaften Strukturwandel. Nur: Abschottung hilft ihnen nicht. Auf lange Sicht werden sich auch die Bauern ihren ausländischen Konkurrenten stellen müssen. Je länger sie geschützt werden, desto schmerzhafter werden sie erwachen. Aufgabe der Politik wäre es , den Bauern diesen Prozess erträglich zu machen und sie nicht als Spielball ihrer Interessen zu missbrauchen. Die Bürger erwarten von der Politik, dass sie ihrer aller Interessen fördern und nicht einem kurzsichtigen Populismus opfern.