Der Kommentar: Die Mediensprecher der St. Galler Polizei kommunizierten nach der Attacke in Salez, wie es ihre Vorgänger vor zehn Jahren gemacht hätten. Sie stellten eine Medienmitteilung auf ihre Website und gaben via Telefon Auskünfte. Nur auf Deutsch. Angesichts des internationalen Medienrummels mutet die Kommunikation anachronistisch an. Die St. Galler Mediensprecher wurden zu Buhmännern. Gleichzeitig wurde einmal mehr der «Held von München» gefeiert: Der dortige Polizeisprecher setzte in der Nacht des Amoklaufs 81 Tweets in vier Sprachen ab.

Die Kritik an den St. Gallern ist nicht berechtigt. Eine Kommunikation im Minutentakt wie in München war nicht nötig, da die Situation unter Kontrolle war. Der Täter wurde sofort überwältigt. In München wollte die Polizei mit ihrer offensiven Kommunikation eine Panik in der Stadt verhindern. Das gelang ihr teilweise. Sie sorgte aber auch für unnötige Aufregung durch einige Falschmeldungen. Hätte die St. Galler Polizei englische Tweets abgesetzt, hätte sie die Attacke auf die gleiche Stufe wie die Terroranschläge der jüngsten Zeit gehoben. Das Kommunikations-Chaos wäre perfekt gewesen. Sie hätte sich vor Anfragen nach islamistischen Terrorhintergründen nicht mehr retten können.

Und doch hat die St. Galler Polizei einen Fehler gemacht: Sie hat angekündigt, nun ebenfalls auf Twitter aktiv zu werden. Das sorgt nur für unnötige Mehrarbeit. Denn was tun twitternde Polizisten in Zürich oder München im Alltag? Vor allem eines: Sie sind damit beschäftigt, die Twittergemeinde darauf aufmerksam zu machen, dass sie Strafanzeigen woanders deponieren solle.

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