Der Kommentar: Noch ist nicht klar, was im September 1970 zwischen Vertretern der Schweiz und der PLO genau beschlossen wurde. Wenn es diesen Geheimdeal aber tatsächlich so gab, dann hat Graber in einer ausserordentlich schwierigen Lage eine ausserordentlich grosse Verantwortung übernommen.

Wenn es so ist, dass Pierre Graber das getan hat, was er für unvermeidlich hielt im Interesse des Landes, dann spricht das nicht gegen ihn. Es gibt in einer Demokratie extreme Stresssituationen, in denen ein Regierungsmitglied zum Staatsmann werden und das Interesse der Allgemeinheit über andere Interessen stellen muss. Situationen, in denen er nicht alle Instanzen korrekt einbeziehen kann. Das muss ein unglaublich einsamer Entscheid sein, der das Risiko enthält, sich zu irren und von der Geschichte brutal bestraft zu werden.

Jean Ziegler ist hoch anzurechnen, dass er jetzt über die Ereignisse spricht. Er geht noch einmal ein grosses persönliches Risiko ein. Aber er ermöglicht uns, die PLO-Affäre überhaupt aufzuklären. Wenn das jetzt schonungslos, in völliger Transparenz und auf allen Ebenen geschieht, ist es eine späte Chance.

Untersucht gehört gerade auch das Tun und Lassen jener Behörden und anderen Akteure, die Demokratiefeinde wie den Lausanner Nazi Genoud jahrzehntelang gewähren liessen. Die damit den Terror, der auch Schweizer Opfer forderte und den Graber fernzuhalten suchte, zuliessen oder gar förderten. Nur wenn endlich auch solche Perversionen vorbehaltlos untersucht werden, können wir die Affäre gerecht beurteilen und die richtigen Lehren ziehen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper